Diese 15 Küstenorte in Europa könnten bald dem Meer zum Opfer fallen
Wo unsere Küsten langsam von der Landkarte verschwinden
Ob heftige Stürme und Fluten oder Hitzewellen und ein steigender Meeresspiegel – der Klimawandel sorgt für immer häufigere Wetterextreme und verändert die Umwelt. Seine verheerenden Auswirkungen auf unseren Planeten zeichnen sich längst ab.
Während manche Teile der Welt relativ sicher vor den Folgen der Erderwärmung sind, gibt es mehrere europäische Küstenstädte, die besonders bedroht sind. Sowohl starke Winde als auch enorme Wellen verursachen Erosionen und setzen den Küsten und ihren Orten zu. Die Folgen: Strände verschwinden und Wohnhäuser werden zerstört.
Hier erfahren Sie, welche Orte in Deutschland und Europa vom Meer bedroht sind ...
Adaptiert von Sophie Weissensteiner
Newquay in Cornwall, Großbritannien
Die Stadt Newquay in Cornwall gilt als einer der malerischsten Orte Großbritanniens und ist ein beliebtes Urlaubsziel. Seine türkisblauen Gewässer, massiven Klippen und erstklassigen Surfspots ziehen jedes Jahr zahlreiche Besucherinnen und Besucher an. Doch die Zukunft dieser Küstenstadt ist ungewiss, denn der Klimawandel hinterlässt bereits deutliche Spuren.
In den letzten Jahren hat sich die Küste von Newquay erheblich zurückgezogen. Der britische Geologie-Dienst GeoIndex registrierte Dutzende Erdrutsche, Felsstürze und Hanginstabilitäten. Besonders betroffen sind die Strände Tolcarne und Whipsiderry.
Newquay in Cornwall, Großbritannien
Das britische Umweltministerium (Defra) warnt, dass die Klippen in Newquay in den nächsten 100 Jahren voraussichtlich um mindestens 40 Meter zurückweichen werden. Dies könnte bedeuten, dass viele Häuser und Geschäfte im Meer versinken und damit auch der Tourismus in der Region schwer getroffen werden könnte.
Laut der britischen Rundfunkanstalt „BBC“ kam es im Dezember 2023 zu einem Felssturz, bei dem Teile der Whipsiderry-Klippe mit einem gewaltigen Knall auf den darunterliegenden Strand donnerten. Im Juli 2024 sperrten die Behörden einen Abschnitt des Great Western Beach, nachdem ein weiterer Klippenabschnitt eingestürzt war.
Sponsored Content
Newquay in Cornwall, Großbritannien
Auch Anwohner haben ihre Bedenken geäußert und befürchten, dass die Hauptverkehrsroute in die Stadt bereits in den nächsten zwei Jahren durch die fortschreitende Erosion vollständig abgetragen sein könnte. Ohne sofortige Maßnahmen zur Stabilisierung der Whipsiderry-Klippe droht die Küstenstraße B3276 vollständig verloren zu gehen.
Aber nicht nur Erosion ist ein Problem: Im Januar 2025 berichtete die britische Zeitung „The Daily Mail“ von einem „Mini-Tornado“, der durch Cornwall zog und eine Spur der Verwüstung hinterließ. Das von starken Winden und heftigen Regenfällen heimgesuchte Gebiet verzeichnete zahlreiche zerstörte Ferienhäuser, kaputte Dächer und beschädigte Autos. Solche Extremwetterereignisse zeigen, wie ungewiss die Zukunft von Küstenorten wie Newquay ist.
Leuchtturm Rubjerg Knude in Hjørring, Dänemark
Der über 120 Jahre alte Leuchtturm Rubjerg Knude wurde 1900 gebaut, um die Küste der Halbinsel Jütland im Norden von Dänemark zu schützen.
Der Treibsand sorgte bereits zehn Jahre nach der Errichtung für erhebliche Probleme. Um die Gegend vor Erosion und Sandverlagerungen zu schützen, wurden Bäume und Büsche gepflanzt – jedoch mit wenig Erfolg.
Leuchtturm Rubjerg Knude in Hjørring, Dänemark
Die natürlichen Schutzmaßnahmen reichten nicht aus, um den Leuchtturm in Betrieb zu halten. Rundherum bildete sich eine riesige Düne, die das Licht des Turms letztlich verdeckte. Im August 1968 wurde der Leuchtturm deshalb stillgelegt. Das Gebäude wurde kurzzeitig als Museum genutzt, musste aber aus Sicherheitsgründen geschlossen werden, nachdem sich der Treibsand bereits umliegende Gebäude einverleibt hatte.
Ursprünglich befand sich der Leuchtturm 198 Meter von der Küste entfernt. 2019 waren es wegen der Erosion und den Sandverschiebungen nur noch 6,1 Meter. Eine nahegelegene Kirche aus dem Jahr 1250 musste bereits 2008 abgebaut werden, um sie vor dem Absturz ins Meer zu retten.
Sponsored Content
Leuchtturm Rubjerg Knude in Hjørring, Dänemark
2019 wurde der 1.000 Tonnen schwere Leuchtturm dann in einer spektakulären Rettungsaktion um etwa 70 Meter ins Landesinnere versetzt.
Das Gebäude wurde auf Schienen mit einer Geschwindigkeit von 13 km/h an seinen neuen Standort gebracht. Kein günstiges Unterfangen: Insgesamt soll dieses Projekt umgerechnet gut 670.000 Euro gekostet haben.
Bonifacio auf Korsika, Frankreich
An der südlichen Spitze der französischen Insel Korsika thront die Hafenstadt Bonifacio auf markanten hellen Kalksteinklippen über dem türkisblauen Meer.
Aufgrund starker Meeresströmungen, hoher Windgeschwindigkeiten und häufigen Erdrutschen ist die Zukunft dieses idyllischen Mittelmeerjuwels äußerst gefährdet.
Bonifacio auf Korsika, Frankreich
Durch die starke Erosion hat sich die Klippe, auf der Bonifacio liegt, während des letzten Jahrhunderts dramatisch zurückgezogen. Rund 30 Häuser stehen nun dicht am Abgrund und drohen, in die Tiefe gerissen zu werden.
Ein Bericht aus dem Jahr 2018 über den Klimawandel und die Meeresumwelt in Korsika stellte fest, dass die Erosion rund um Bonifacio durch die globale Erderwärmung noch verstärkt werde. Die Autoren forderten die Stadtverwaltung auf, dringend Maßnahmen zur Sicherung der betroffenen Gebiete zu ergreifen.
Bislang sind zwar noch keine Gebäude den Wellen zum Opfer gefallen, doch wurde 2019 der Ausnahmezustand in Bonifacio ausgerufen, als Teile der mittelalterlichen Festung unter der Kraft des Windes zusammenbrachen.
Sponsored Content
Bonifacio auf Korsika, Frankreich
Im März 2023 wurde nach einer dreijährigen Untersuchung festgestellt, dass die Klippen von Bonifacio, die stellenweise fast 106 Meter hoch sind, in einer Höhe von 80 Metern zwei Verwerfungen aufweisen. Zwei Häuser wurden bislang evakuiert, 25 weitere sind als gefährdet eingestuft.
Im selben Jahr vermeldete die Behörde, die in Frankreich die geologische Kartierung des Landes vornimmt, dass 35 Prozent der korsischen Felsküste, vor allem um die Orte Bonifacio, Cap-Corse und Calvi, stark erosionsgefährdet sind.
Gefällt Ihnen dieser Artikel? Dann klicken Sie oben auf Daumen hoch und folgen Sie uns für weitere loveEXPLORING-Themen
Brodten in Schleswig-Holstein, Deutschland
Das Dorf Brodten in Schleswig-Holstein ist ein malerisches Fleckchen Erde, nur drei Kilometer vom Travemünder Stadtzentrum entfernt. Nördlich und östlich des Ortes erstreckt sich das Brodtener Ufer. Die Steilküste ist ein beliebter Ausflugsort an der Ostsee, doch gefährdet sie gleichzeitig zunehmend die Existenz von Brodten.
Wind und Wellen machen den Klippen schwer zu schaffen und führen dazu, dass sie sich kontinuierlich zurückbilden. Eine Gefährdung, die auch umliegende Wohnhäuser und Geschäfte betrifft. Laut der Tourismus-Website von Travemünde verliert das Brodtener Steilufer jährlich rund einen Meter Land.
Während einer anhaltenden Regen- und Frostperiode stürzten im Januar 2024 große Teile der Klippe bei Brodten ins Meer. Das bedroht nicht nur die Gebäude, die in der Nähe der Abbruchkante stehen, sondern auch den Lebensraum der einheimischen Uferschwalben.
Brodten in Schleswig-Holstein, Deutschland
Das Jugendzentrum von Brodten, Haus Seeblick, balanciert heute unmittelbar am Rande der zurückweichenden Klippe. Seit Ende Januar 2024 liegt die Abbruchkante nur noch vier Meter von dem Gebäude entfernt. Die Einrichtung wurde daher geschlossen und soll abgerissen werden. Der außerhalb des Gebäudes verlaufende Weg ist gesperrt. Und da die Klippen entlang der Küste weiter erodieren, dürfen neue Gebäude nur noch mindestens 150 Meter hinter den abbruchgefährdeten Bereichen errichtet werden.
Sponsored Content
Hohes Ufer zwischen Ahrenshoop und Wustrow in Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland
Nicht nur Brodten ist in Gefahr: Entlang der gesamten deutschen Ostseeküste schreitet die Erosion rasant voran. So wird der Steilküstenabschnitt Hohes Ufer zwischen Ahrenshoop und Wustrow in Mecklenburg-Vorpommern zunehmend abgetragen und bricht allmählich ins Meer.
Laut der Klima-Nachrichtenseite „ClimateChangePost“ schwinden weite Teile der Ostseeküste durchschnittlich um etwa 40 Zentimeter pro Jahr. Rund 70 Prozent der Küsten in Mecklenburg-Vorpommern sind dauerhaft von Erosion betroffen – und die Klippen schrumpfen dort jährlich um ganze 30 Zentimeter.
Hemsby in Norfolk, Großbritannien
An der englischen Nordseeküste nagt das Meer an der Lebensgrundlage des kleinen Dorfs Hemsby. Eine Sturmflut im Dezember 2013 verwüstete den Ort im östlichen Landesteil Norfolk schwer. Sieben Häuser wurden damals zerstört. Inzwischen schwindet die Steilküste so schnell, dass Einheimische genau wie Experten davon überrascht wurden – und die Bewohner zahlen einen hohen Preis dafür, dass keine geeigneten Schutzmaßnahmen gegen das Meer ergriffen wurden.
Als im März 2018 eine schwere Kältewelle über Europa rollte, war in Großbritannien Hemsby mit am schlimmsten betroffen: 13 Häuser an der Steilküste des Ortes wurden bei einem Wintersturm verwüstet und waren danach unbewohnbar. Fünf Jahre später führten heftige Stürme im März und Dezember 2023 dazu, dass weitere acht Häuser abgerissen werden mussten.
Hemsby in Norfolk, Großbritannien
Auf Hilfe von staatlicher Seite scheinen Hemsby und andere Dörfer an der Küste von Norfolk nicht hoffen zu können: Im Oktober 2023 wurde entschieden, dass Hemsby für den Bau einer 1,3 Kilometer langen Küstenschutzanlage, die umgerechnet etwa 237 Millionen Euro kosten würde, keine staatlichen Mittel beanspruchen könne. Und das, obwohl der Tourismus in Hemsby laut der Initiative Save Hemsby Coastline (SHC) jährlich etwa 94,8 Millionen Euro zur Wirtschaft der Region beiträgt.
Eine von der SHC organisierte Petition, in der die Regierung zum Handeln aufgefordert wird, wurde von 17.000 Menschen unterschrieben und liegt den Offiziellen seit Januar 2024 vor.
Sponsored Content
Hemsby in Norfolk, Großbritannien
Nur ein Monat später wurde bekannt, dass Hemsby auch von einem weiteren staatlichen Küstenschutzprogramm in Höhe von 29,6 Millionen Euro ausgeschlossen wurde. Die Dorfbewohner behelfen sich derweil mit rudimentären Mitteln selbst (Bild) oder ergreifen radikalere Maßnahmen: Ein ehemaliger Anwohner, der sein Haus in Hemsby verloren hat, verklagte die britische Regierung auf Entschädigung, da sie ihn nicht vor dem Klimawandel geschützt habe. Ohne Erfolg: Im Oktober 2024 wies ein Richter des Obersten Gerichtshofes seine Klage zurück, da es „keinen Rechtsfehler“ gegeben habe.
Laut Medienberichten soll zwar ein neues Programm aufgelegt werden, um den Bewohnern von Hemsby für neue Häuser Grundstücke im Landesinneren zur Verfügung zu stellen. Für die Menschen vor Ort kommt das aber zweifellos zu spät.
Zambujeira do Mar in Alentejo, Portugal
Zambujeira do Mar liegt auf einer hohen Klippe in der portugiesischen Region Alentejo. Der Ort ist besonders bei Surfern äußerst beliebt und bekannt für seine nach links brechenden Wellen am südlichen Ende des Strandes.
Doch so beeindruckend diese Wellen auch sind – sie tragen maßgeblich zur allmählichen Zerstörung dieses idyllischen Küstenortes bei.
Zambujeira do Mar in Alentejo, Portugal
Aufgrund der Lage am Atlantik ist der Ort starken Winden, gewaltigen Wellen und heftigen Regenfällen ausgesetzt. Sie reißen regelmäßig Teile der Klippen mit sich ins Meer und beschleunigen die Erosion erheblich.
Jahr für Jahr wird die Felswand instabiler – mit drastischen Folgen. Häuser, Straßen und Restaurants sind zunehmend vom Einsturz bedroht.
Sponsored Content
Zambujeira do Mar in Alentejo, Portugal
Bereits 2016 wurde ein Antrag zur Stabilisierung der Klippen am Strand in Zambujeira do Mar und dem Hafen von Porto Covo genehmigt. Es bleibt zu hoffen, dass diese Maßnahmen dazu beitragen, dieses Küstenparadies zu schützen.
Doch in Portugal kämpft nicht nur Zambujeira do Mar mit dem Problem der Küstenerosion. Der Praia da Vagueira Strand an der Zentralküste Portugals gilt als einer der am stärksten betroffenen Orte Europas. Zwischen 1958 und 2001 zog sich die Küstenlinie dort um ganze 156 Meter zurück.
Guardamar del Segura in Alicante, Spanien
Die spanische Provinz Alicante ist bekannt für ihre Badeorte, wunderschönen Strände und sehenswerten Städte an der Costa Blanca, zu denen auch die beliebte Kleinstadt Guardamar del Segura gehört.
Der Badeort bietet einen elf Kilometer langen, weißen Sandstrand – ein Traum, wäre da nicht die zunehmende Bedrohung durch die Küstenerosion. Untersuchungen haben ergeben, dass diese Entwicklung auf menschliches Eingreifen im nahegelegenen Segura-Flussbecken zurückzuführen ist, das zu Veränderungen der Wellenmuster geführt hat.
Guardamar del Segura in Alicante, Spanien
Die Dünenlandschaft der Region wurde durch die veränderten Wellen erheblich beschädigt. Und mit einer Erosionsrate von bis zu 70 Zentimetern pro Jahr ist die Lage prekär.
Falls diese Raten und extremen Klimaereignisse weiterhin anhalten, soll die Küste Prognosen zufolge bis 2050 so weit zurückweichen, dass am Strand gelegene Häuser vollständig zerstört werden. Und auch weitere Orte in der Region und Spanien sind betroffen ...
Sponsored Content
Dénia in Alicante, Spanien
Die Hafenstadt Dénia in Alicante wurde im Januar 2020 vom Sturm Gloria heimgesucht, der für schwere Unwetter sorgte und verheerende Schäden hinterließ. Häuser und Geschäfte standen unter Wasser – und das trotz Vorbeugungsmaßnahmen: Die Stadtverwaltung hatte an verschiedenen Stränden der Gemeinde Deiche aus den Meerespflanzen Posidonia und Algen errichtet, um einerseits die Erosion zu bekämpfen und andererseits die Sandstrände vor Stürmen zu schützen.
Leider waren diese Eingriffe nicht ausreichend. Im November 2023 mussten mehr als 3.000 Menschen ihre Häuser verlassen, als die spanische Regierung Immobilien entlang der Küste zwangsevakuierte. Es wird angenommen, dass das Gebiet als eine Art Pufferzone zwischen Land und Meer dienen soll.
Auch den Küstenabschnitt Arraijanal-San Julián zwischen Torremolinos und Málaga an der Costa del Sol trifft es schwer. Laut dem Nachrichtensender „Euronews“ zog sich die Küste dort zwischen 2016 und 2022 um etwa 45 Meter zurück.
Happisburgh in Norfolk, Großbritannien
Steigen die Temperaturen weltweit weiter, werden Stürme häufiger und heftiger. Das bedeutet, dass auch Sturmfluten zunehmen werden, was für Orte wie Happisburgh an der Ostküste Englands – einer der am schnellsten erodierenden Küsten Europas – keine gute Nachricht ist.
Die weichen Lehm- und Sandklippen ziehen sich seit 5.000 Jahren immer weiter zurück. Allein in den letzten 20 Jahren hat die Nordsee mehr als 30 Häuser in Happisburgh verschluckt.
Happisburgh in Norfolk, Großbritannien
Die in den 1950er-Jahren errichteten hölzernen Küstenschutzanlagen können den Ort nicht mehr vor den zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels schützen. Nach einer katastrophalen Sturmflut 2013 schwankten einige Häuser am Rand des Dorfes am Abgrund – doch andere hatten nicht so viel Glück. Mehrere Häuser rutschten mit den Klippen ab und stürzten ins Meer.
In den kommenden 20 Jahren wird in Happisburgh voraussichtlich mehr Landmasse der Nordsee zum Opfer fallen als an jedem anderen Ort in Großbritannien. Experten schätzen, dass Land in der Größe von zwei Fußballfeldern verloren gehen wird. Die Zukunft von Happisburgh sieht also düster aus.
Sponsored Content
Happisburgh in Norfolk, Großbritannien
Erdrutsche bleiben eine allgegenwärtige Bedrohung für das Dorf. Allein im Winter 2023 verringerte sich die Küste um etwa 10 Meter, wie die Lokalzeitung „North Norfolk News“ berichtete.
Genau wie Hemsby wurden auch Happisburgh von offizieller Seite keine Mittel zur Verbesserung der Küstenschutzanlage bewilligt. Die Gemeindeverwaltung erklärte stattdessen, dass solch ein Unterfangen „realistisch gesehen nicht machbar“ sei. Laut „BBC“ investierte die Gemeinde umgerechnet etwa 3,8 Millionen Euro, um besonders gefährdete Häuser zu einem reduzierten Preis aufzukaufen. Dies ermöglichte einigen Anwohnerinnen und Anwohnern die Umsiedlung ins Landesinnere – eine Maßnahme, von der jedoch nicht alle profitieren konnten.
Soulac-sur-Mer im Département Gironde, Frankreich
Der hübsche Ferienort Soulac-sur-Mer im Südwesten Frankreichs hat ebenfalls mit zunehmender Küstenerosion zu kämpfen. Von Jahr zu Jahr ziehen sich die Strände hier weiter zurück, was sich durch den Klimawandel weiter verschärfen dürfte.
Soulac-sur-Mer im Département Gironde, Frankreich
Die Wohnanlage „Le Signal“ ist zum Ausdruck des Landverlustes durch den Klimawandel in Frankreich geworden. In den 1960er-Jahren war das Betongebäude auf einer künstlichen Düne errichtet worden, die sich ursprünglich knapp 200 Meter vom Meer entfernt befand.
Sponsored Content
Soulac-sur-Mer im Département Gironde, Frankreich
Das Gebäude wurde 2014 evakuiert und nach acht aufeinanderfolgenden Winterstürmen, die zu einer schnelleren Erosion der Küste führten, schließlich aufgegeben. Im Februar 2023 folgte dann der Abriss der Wohnanlage. Zu dem Zeitpunkt hatte sich der Atlantik bereits auf zwölf Meter an „Le Signal“ herangetastet.
Skipsea in Yorkshire, Großbritannien
Ein weiteres Dorf an der britischen Ostküste, das mit schlimmer Erosion zu kämpfen hat, ist Skipsea im Osten von Yorkshire. Das Meer frisst die weichen Lehmböden dieser Region mit einer Rate von fast sechs Metern pro Jahr weg. An einigen Stellen sind es sogar bis zu 15 Meter, die verloren gehen. Keine andere Küstenlinie in Europa erodiert in diesem Tempo.
Skipsea in Yorkshire, Großbritannien
Laut Anwohnern ging in Skipsea in den letzten 20 Jahren etwa 800 Meter an Land verloren. Ganze Straßen sind zusammen mit ihren Häusern verschwunden und viele weitere Gebäude sind gefährdet. Der Betreiber eines örtlichen Wohnwagenparks berichtete der Zeitung „The Mirror“, dass er in den vergangenen 60 Jahren rund vier Hektar seines Landes an das Meer verloren habe.
2023 förderten Hochwasser und Stürme gleiche mehrere große Klippenstürze. Anfang 2024 schliffen weitere Stürme innerhalb von nur zwei Wochen 76 Meter Küstenlinie weg.
Sponsored Content
Skipsea in Yorkshire, Großbritannien
Trotz des Landschwundes wurden Maßnahmen zum Küstenschutz als zu kostspielig erachtet. Auch die möglichen negativen Auswirkungen solcher Anlagen auf das Meeresökosystem vor Ort spielen eine Rolle. Skipseas Tage scheinen also gezählt zu sein und der Ort wird bereits als „Geisterstadt“ bezeichnet, da ihm immer mehr Bewohner den Rücken kehren.
Venedig, Italien
Eines der wohl bekanntesten Beispiele für den steigenden Meeresspiegel und seine gravierenden Folgen ist die historische Lagunenstadt Venedig. Klimaforscher gehen sogar davon aus, dass das beliebte Touristenziel bis zum Ende des 21. Jahrhunderts vollständig unter Wasser steht.
Die Stadt besteht aus 120 Inseln, die durch 391 Brücken über 177 Kanäle miteinander verbunden sind. Die herrlichen Gebäude Venedigs sind auf einer Lagune aus Schlamm und losem Lehm gebaut und stehen auf instabilen Fundamenten aus im Schlamm versenkten Holzpfählen. Auf dieser Basis ist die Stadt in den letzten 100 Jahren um 15 Zentimeter gesunken.
Venedig, Italien
Im November 2019 herrschte in Venedig massives „Acqua Alta“ – Hochwasser von 1,80 Metern und damit das zweithöchste, das jemals verzeichnet wurde. Mehr als 80 Prozent der Stadt wurden überflutet, darunter auch bekannte Sehenswürdigkeiten wie der Markusplatz (Bild). Dessen berühmte Basilika, die nur 65 Zentimeter über dem Meeresspiegel steht, musste im Nachhinein für 3,3 Millionen Euro restauriert werden, da die salzigen Meeresfluten Marmorplatten, Mosaike und antike Säulen beschädigt hatten.
Sponsored Content
Venedig, Italien
Viel Hoffnung wird auf das ehrgeizige Hochwasserschutzprojekt „Mose“ gesetzt, das die Stadt vor Überschwemmungen retten soll. Der Bau des riesigen Sperrwerkes mit beweglichen Fluttoren begann 2003 und sollte ursprünglich 2011 fertiggestellt werden. Wegen Verzögerungen und ansteigenden Kosten wurde es jedoch erst 2020 in Betrieb genommen.
Vor der Inbetriebnahme wurde damit gerechnet, dass die mobilen Hochwasserschutzwände etwa fünfmal pro Jahr aktiviert werden müssten. Doch allein in den ersten beiden Betriebsjahren kam „Mose“ bereits 49 Mal zum Einsatz. Darüber hinaus warnen Experten, dass der Meeresspiegel bis 2100 um bis zu 80 Zentimeter steigen könnte – und selbst der milliardenschwere Hochwasserschutz nicht mehr ausreichen wird.
Region Katalonien, Spanien
Die Region Katalonien in Spanien ist bekannt für ihre atemberaubende Küste mit lebhaften Ferienorten und beliebten Stadtstränden.
Diese vielfältige Landschaft hat nun mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen. Laut „Euronews“ führt Spaniens unberechenbares Klima mit „glühender Hitze, lang anhaltender Dürre und heftigen Regenfällen“ nicht nur zu einem Rückgang der Touristenzahlen, sondern setzt auch einigen der beliebtesten Strände der Region stark zu.
Region Katalonien, Spanien
Laut der Forschungsgruppe Climate Variability and Change Group werden viele Strände Spaniens zunehmend von Erosion bedroht – insbesondere während starker Wellen, die durch Winterstürme verursacht werden. So verloren einige Strände der katalanischen Hauptstadt Barcelona im März 2024 nach heftigen Winden und Regenfällen bis zu 25 Meter Sand in ihrer Breite.
Auch Sanddünen verschwinden zunehmend von den Stränden Kataloniens – besonders betroffen ist Barcelona. Die Stadtverwaltung setzt deshalb auf sogenannte „hybride Dünen“, die mit Strandhafer bepflanzt werden, um den Sand zu stabilisieren und die Stadt vor Überschwemmungen zu schützen.
Sponsored Content
Region Katalonien, Spanien
Bereits 2010 ließ die spanische Regierung 700.000 Kubikmeter Sand an Barcelonas Küste aufschütten, doch seitdem sind 70 Prozent davon wieder verschwunden. Allein die neun Stadtstrände Barcelonas verlieren jährlich rund 30.000 Kubikmeter Sand. Insgesamt haben die Strände Kataloniens seit 2015 sogar rund 25 Prozent ihres Sandes verloren.
Bislang hat die spanische Regierung rund 5,3 Millionen Euro investiert, um die Küste Kataloniens zu schützen. Durch das rasante Fortschreiten der Erosion haben lokale Behörden Mühe, mit den ständigen Veränderungen Schritt zu halten. Die Angst um die Zukunft der Strände wächst, nicht zuletzt, weil diese ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind und jedes Jahr Millionen von Touristen in die Region bringen.
Biscarrosse im Département Landes, Frankreich
Laut dem französischen Auslandsnachrichtensender „France 24“ sind mittlerweile rund 25 Prozent der französischen Küsten von Erosion betroffen. Durch immer heftigere Stürme infolge des Klimawandels schrumpfen manche Strände jährlich um bis zu 2,5 Meter – ganze Ortschaften drohen dem Meer zum Opfer zu fallen.
Besonders dramatisch ist die Situation in Biscarrosse im Département Landes an der südwestfranzösischen Atlantikküste.
Biscarrosse im Département Landes, Frankreich
Im März 2024 mussten die Strände der kleinen Stadt für die Öffentlichkeit gesperrt werden, weil die Erosion mehrere Gebäude entlang der Klippen in eine gefährliche Lage gebracht hatte. Das Ausmaß der Küstenabbrüche war zu dem Zeitpunkt so gewaltig wie seit 2014 nicht mehr und es wird angenommen, dass extreme Wetterbedingungen und starke Meeresströmungen die Ursachen dafür sind.
Um den Sandverlust auszugleichen, lassen die örtlichen Behörden jedes Jahr 70.000 Kubikmeter Sand an den Stränden aufschütten. Wie „France 24“ berichtete, wurde der bisher höchste Bedarf 2020 verzeichnet, als mehr als 100.000 Kubikmeter Sand aufgetragen werden mussten.
Sponsored Content
Biscarrosse im Département Landes, Frankreich
2019 erfüllte sich der Hauskäufer André Laforêt mit einer Immobilie auf der Sanddüne von Biscarrosse seinen Traum vom Eigenheim am Meer. Schon kurz nach seinem Einzug wurden allerdings seine Nachbarn zwangsevakuiert – und auch er musste bald weichen, da der Atlantik unaufhaltsam näher rückte. Verkaufen kann er sein Haus nicht, Entschädigung gibt es auch keine:
Der französische „Barnier-Fonds“, der Opfer von Naturkatastrophen entschädigt, deckt die Küstenerosion bislang noch nicht ab. Für Laforêt und viele andere Betroffene bedeutet das: Sie stehen vor dem Nichts und für ihre Häuser gibt es keine Zukunft.
Gefällt Ihnen dieser Artikel? Dann klicken Sie oben auf Daumen hoch und folgen Sie uns für weitere loveEXPLORING-Themen