Für immer verloren? 7 untergegangene Kulturen der Weltgeschichte
Aufstieg und Fall früherer Zivilisationen
Vom Dschungel überwuchert, im Wüstensand versunken oder schlicht jahrhundertelang vergessen: Überall auf der Welt erzählen Ruinen von beeindruckenden Hochkulturen, die einst blühten – aber dann der Geschichte zum Opfer fielen. Sie hinterließen prachtvolle Tempel, geheimnisvolle Schriftzeichen und Fragen, auf die es bis heute keine endgültigen Antworten gibt.
Von der Maya-Kultur über die Khmer bis hin zu grönländischen Wikingern: Entdecken Sie hier, welche großen Kulturen einst die Welt beherrschten – und warum sie schließlich verschwanden …
Adaptiert von Alina Halbe
Indus-Zivilisation (um 3330 – 1300 v. Chr.)
Während im alten Ägypten Pyramiden gebaut wurden, blühte zeitgleich am Fluss Indus eine Zivilisation, die sogar größer war als ihre berühmte Nachbarin am Nil. Entlang der fruchtbaren Ebenen des Indus erstreckte sich diese Hochkultur über das heutige Pakistan, Indien und Afghanistan. Über 1.400 Städte und Dörfer gehörten zum Reich, die größten davon boten bis zu 40.000 Menschen ein Zuhause.
Besonders faszinierend: Viele Orte waren schon damals nach einem Raster angelegt, mit geraden Straßen und erstaunlich cleveren Abwassersystemen, die das Schmutzwasser aus der Stadt leiteten.
Indus-Zivilisation (um 3330 – 1300 v. Chr.)
Viele Aspekte rund um die Indus-Zivilisation geben Archäologen und Historikern bis heute Rätsel auf. Sogar ihre Schrift, ein komplexes System aus Symbolen, konnte bislang nicht entschlüsselt werden. Deshalb wissen wir weder, wie sie sich selbst nannten, noch welche Sprache sie sprachen, wie sie regiert wurden oder wie ihre Gesellschaft genau aufgebaut war.
Sicher ist nur: Die Menschen dieser Kultur waren wahre Könner in ihrem Handwerk. Sie fertigten kunstvoll bemalte Keramik, filigranen Schmuck und sogar liebevoll gestaltetes Spielzeug für Kinder.
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Indus-Zivilisation (um 3330 – 1300 v. Chr.)
Die wohl spannendste Frage, die bis heute ungeklärt ist: Was führte dazu, dass diese scheinbar friedliche und perfekt organisierte Kultur innerhalb von rund 200 Jahren verschwand? Während viele Dörfer unbeschadet weiterexistierten, verfielen ihre prächtigen Städte nach und nach und gerieten schließlich komplett in Vergessenheit.
Forscher haben dazu unterschiedliche Theorien: Vielleicht brach der lukrative Handel mit Mesopotamien zusammen, vielleicht stürmten Invasoren aus dem Norden heran oder Klimaveränderungen beziehungsweise Erdbeben lösten eine Hungersnot aus. Was auch immer der Grund war – die Ruinen der Indus-Kultur blieben jahrtausendelang verschollen, bis Archäologen sie im 19. Jahrhundert wieder ans Licht brachten.
Minoische Kultur (um 3100 – 1100 v. Chr.)
Auf der Mittelmeerinsel Kreta entwickelte sich mit der minoischen Kultur die früheste Hochkultur Europas. Ihre Insellage bot beste Voraussetzungen, um regen Handel mit Ägypten, Mesopotamien und dem antiken Griechenland zu treiben. Das wohl beeindruckendste Bauwerk der Minoer ist der Palast von Knossos, der in den 1870er-Jahren entdeckt und ab 1900 vom britischen Archäologen Arthur Evans intensiv ausgegraben wurde. Evans war fest überzeugt, hier den sagenumwobenen Palast von König Minos gefunden zu haben, bekannt aus der Legende um den athenischen Helden Theseus und Minotaurus, ein Ungeheuer mit Stierkopf und Menschenkörper.
Heute glaubt kaum noch jemand, dass der Mythos wortwörtlich stimmt – und manche Experten bezweifeln sogar, dass die Minoer überhaupt Könige hatten, da es keinerlei Abbildungen von Herrschern gibt. Dennoch werden monumentale Anlagen wie Knossos oder Gournia (hier auf dem Foto zu sehen) bis heute als „Paläste“ bezeichnet.
Minoische Kultur (um 3100 – 1100 v. Chr.)
Auch wenn Experten das Schriftsystem der Minoer, die sogenannte Linear-A-Schrift, bis heute nicht komplett entziffern können, verraten auch andere archäologische Funde eine Menge über diese faszinierende Kultur.
Ihre Bauweise war ihrer Zeit meilenweit voraus: Sie kannten bereits komplexe Entwässerungssysteme, mehrstöckige Häuser und fließendes Wasser. Die farbenprächtigen Fresken zeigen, wie eng Religion und Rituale mit der Natur verbunden waren. Und Bilder sowie Skulpturen belegen, dass das Stierspringen eine zentrale Rolle in ihrer Gesellschaft spielte.
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Minoische Kultur (um 3100 – 1100 v. Chr.)
Um 1450 v. Chr. gerieten die Minoer allerdings in eine Krise, die wohl durch den Ausbruch eines mächtigen Vulkans auf der nahegelegenen Insel Thera (heute Santorin) ausgelöst wurde. Die darauffolgenden Tsunamis und Jahre der Hungersnot setzten der Hochkultur schwer zu. Die prächtigen Paläste wurden zerstört oder von mykenischen Eindringlingen vom griechischen Festland eingenommen.
Bis etwa 1100 v. Chr. waren die Minoer vollständig in der mykenischen Kultur aufgegangen. Doch vergessen sind sie nicht: Bis heute zieht der Palast von Knossos als faszinierendes Zeugnis längst vergangener Zeiten zahlreiche Besucher an.
Maya-Zivilisation (um 2000 v. Chr. – 1697 n. Chr.)
In den 1840er-Jahren stießen Forscher tief im Dschungel Mittelamerikas auf die Ruinen einer längst vergessenen Kultur. Prächtige Paläste und Pyramiden, gefüllt mit Kunstwerken und Schriftzeichen, zeigten schnell: Hier hatte einst eine mächtige Zivilisation gelebt.
Die Maya-Kultur erstreckte sich über das heutige Süd-Mexiko, Belize, Guatemala, El Salvador und Honduras. Sie waren die ersten, die in der Region Landwirtschaft betrieben und Wildtiere domestizierten – bevor sie dann ihre beeindruckenden Städte errichteten. Die heute wohl bekannteste ist Chichén Itzá, ein archäologisches Highlight und ein Magnet für Besucher aus aller Welt.
Maya-Zivilisation (um 2000 v. Chr. – 1697 n. Chr.)
Zwischen 200 und 900 n. Chr. erlebte die Maya-Zivilisation ihre Blütezeit. In dieser Zeit perfektionierten sie ihre pyramidenartigen Tempel und Paläste, die damals lebhafte Zentren für Kultur und Handel waren. Künstler verzierten die Bauwerke mit farbenprächtigen Wandmalereien, die Geschichten aus dem Alltag und aus der Glaubenswelt darstellten.
Die Maya entwickelten zudem eine komplexe Hieroglyphenschrift, verstanden fortgeschrittene mathematische Konzepte und besaßen einen der präzisesten Kalender der Antike. Aber neben harter Arbeit kam auch das Vergnügen nicht zu kurz: Sie spielten eines der ältesten bekannten Mannschaftsspiele – ein temporeiches, teils auch recht brutales Ballspiel. Ein Torpfosten aus diesem Spiel ist heute noch erhalten (hier auf dem Foto zu sehen).
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Maya-Zivilisation (um 2000 v. Chr. – 1697 n. Chr.)
Ab dem 9. Jahrhundert n. Chr. begann der langsame Niedergang der Maya – warum genau, ist bis heute umstritten. Manche Forscher vermuten, dass die wachsende Bevölkerung die Nahrungsreserven knapp werden ließ, andere sehen den Klimawandel als Hauptursache, der durch die Brandrodung der Maya noch verschärft wurde.
Nach und nach verließen die Menschen die großen Städte und der Dschungel eroberte sie zurück. Nur ein paar Dörfer blieben bestehen – bis schließlich die spanischen Eroberer kamen und die einst mächtige Kultur innerhalb kurzer Zeit unterwarfen.
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Königreich der Nabatäer (311 v. Chr. – 106 n. Chr.)
Der Name „Nabatäer“ stammt vermutlich von einem alten Wort, das „leuchten“ bedeutet – und genau das taten diese Nomadenstämme über vier Jahrhunderte hinweg.
Das nordwestarabische Volk wurde durch seine Lage im Gebiet des heutigen Jordaniens reich: Praktischerweise befand es sich mitten in einem Handelsnetz, das auf der einen Seite Griechen und Römer verband, auf der anderen Anschluss zu Persern bot und im Süden zu den Ägyptern. Die Städte der Nabatäer entstanden an strategischen Punkten, versteckt in zerklüfteten Bergpässen und tiefen Wüstenschluchten.
Königreich der Nabatäer (311 v. Chr. – 106 n. Chr.)
Die Nabatäer sind vor allem für ihre spektakuläre Felsarchitektur bekannt, die man bis heute vor allem in ihrer damaligen Hauptstadt Petra bestaunen kann. Dort vereinten ihre Baumeister griechische, römische und arabische Stilelemente zu beeindruckenden Fassaden wie der des hier abgebildeten „Schatzhauses des Pharaos“ (Khazne al-Firaun).
Die Städte der Nabatäer verfügten über ausgeklügelte Wassersysteme, die das Leben unter extrem trockenen Bedingungen überhaupt erst möglich machten. Die Bewohner beteten in Tempeln, besuchten Theateraufführungen und ernährten sich erstaunlich abwechslungsreich – mit lokal angebautem Getreide und sogar Fisch aus Flüssen.
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Königreich der Nabatäer (311 v. Chr. – 106 n. Chr.)
Ironischerweise wurde den Nabatäern ausgerechnet ihr Reichtum schließlich zum Verhängnis: Die gierigen Blicke der römischen Kaiser richteten sich auf das Königreich und im Jahr 106 n. Chr. ließ Kaiser Trajan die Region annektieren. Fortan bildete das einstige Reich der Nabatäer die südöstliche Grenze des Römischen Imperiums. Doch mit der Verlagerung wichtiger Handelsrouten verlor die Region an wirtschaftlicher Bedeutung und die prächtigen Städte wurden nach und nach aufgegeben.
Über Jahrhunderte geriet das Erbe der Nabatäer in Vergessenheit – bis europäische Forscher im 19. Jahrhundert auf die monumentalen Grabstätten in der Wüste stießen.
Mississippi-Kultur (um 800 – 1600 n. Chr.)
Die Mississippi-Kultur war nicht in einem Staat organisiert, sondern vielmehr ein loses Netzwerk indigener Völker, das sich einst vom Golf von Mexiko bis zu den Großen Seen an der heutigen Grenze zwischen den USA und Kanada erstreckte.
Ihre Entstehung hängt eng mit einem kulturellen Wandel der Menschen dieser Zeit zusammen: Denn statt weiterhin zum Jagen und Sammeln durch die Lande zu ziehen, begannen immer mehr Gruppen, Mais anzubauen und sesshaft zu werden. So entstanden größere, dauerhafte Siedlungen wie etwa Cahokia im heutigen US-Bundesstaat Illinois. Typisch für diese Kultur sind gewaltige, flach aufgeschüttete Erdhügel. Der größte von allen ist der Monks Mound in Cahokia (hier im Bild) – bis heute das größte präkolumbianische Erdwerk Nordamerikas.
Mississippi-Kultur (um 800 – 1600 n. Chr.)
Die beeindruckenden Erdhügel, die viele Siedlungen der Mississippi-Kultur prägten, dienten wahrscheinlich als Fundamente für Tempel, Gemeinde- oder Wohnhäuser. Diese waren meist aus Holz errichtet, das heute natürlich längst vergangen ist.
Was geblieben ist, sind aber ihre Töpferwaren: kunstvolle Gefäße mit hohem Muschelanteil im Ton und liebevoll gearbeiteten Details. Viele Stücke, wie dieser biberförmige Topf (im Bild), greifen Motive aus der Natur auf oder zeigen Symbole, die auf eine spirituelle Verbindung zum Kosmos hindeuten.
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Mississippi-Kultur (um 800 – 1600 n. Chr.)
Ab dem 14. Jahrhundert geriet die Mississippi-Kultur aber zunehmend ins Straucheln. Die sogenannte Kleine Eiszeit, eine mehrere Jahrhunderte andauernde kühle Klimaperiode, sorgte für Ernteausfälle, Hunger und wachsende Konflikte um die wenigen Ressourcen.
Den endgültigen Schlag versetzten den ohnehin geschwächten Gemeinschaften schließlich die europäischen Entdecker. Und zwar mit eingeschleppten Krankheiten, gegen die die indigene Bevölkerung keine Abwehrkräfte hatte. Die meisten großen Siedlungen wurden dann nach und nach aufgegeben. Doch ihre monumentalen Erdhügel – wie die Etowah Mounds im heutigen US-Bundesstaat Georgia – erzählen bis heute von dieser längst vergangenen Hochkultur.
Khmer-Reich (802 – 1431 n. Chr.)
Gegründet wurde das Khmer-Reich von Jayavarman II., der einen Flickenteppich kleiner Königreiche im heutigen Kambodscha unter seiner Herrschaft vereinte. In den folgenden Jahrhunderten dehnten seine Nachfolger das Imperium über große Teile Südostasiens aus – und errichteten eine prachtvolle Hauptstadt: Angkor.
In ihrer Blütezeit lebten dort vermutlich über eine Million Menschen. Das Herzstück: Angkor Wat, die größte Tempelanlage der Welt (hier im Bild).
Khmer-Reich (802 – 1431 n. Chr.)
Im Khmer-Reich existierte bereits eine ausgeklügelte Verwaltung sowie ein durchdachtes Regierungssystem. Doch weil ihre Aufzeichnungen größtenteils auf empfindlichen Materialien wie Reispapier, Blattfasern oder Pergament festgehalten wurden, hat das feuchte kambodschanische Klima fast alles davon zerstört.
Heute stützen sich Historiker vor allem auf Steinreliefs an Tempelwänden und Berichte von ausländischen Reisenden. Klar ist: Die Khmer pflegten enge Handelsbeziehungen mit China, schätzten Seide und Edelmetalle – und verfügten über eine hochentwickelte Wasserwirtschaft mit Kanälen und Stauseen, die zentral vom König gesteuert wurde.
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Khmer-Reich (802 – 1431 n. Chr.)
Um das Jahr 1200 begann das Khmer-Reich allerdings allmählich zu bröckeln – große Bauprojekte kamen zum Erliegen, der Glanz früherer Zeiten verblasste. Vor allem die Natur machte der einstigen Großmacht offenbar schwer zu schaffen: Klimaveränderungen während der Kleinen Eiszeit führten wohl zu einem gefährlichen Mix aus langen Dürren und heftigen Monsunregen. Das brachte das empfindliche Wassersystem aus dem Takt – und mit ihm auch die Reisernten.
Der letzte Schlag kam 1431, als Angkor von thailändischen Truppen angegriffen wurde. Die einstige Millionenstadt wurde daraufhin weitgehend aufgegeben und verschwand nach und nach im Dschungel.
Grænlendingar (986 – 1408 n. Chr.)
Das Leben von Erik dem Roten ist in vielen Sagas überliefert. Der norwegische Wikinger musste um 970 mit seiner Familie fliehen und ließ sich schließlich auf Island nieder, von wo aus Erik später Erkundungstouren gen Westen unternahm. Im Jahr 985 n. Chr. kehrte er mit einer sensationellen Nachricht nach Island zurück: Er hatte neues Land entdeckt. Kurz darauf machte sich eine kleine Flotte von Langschiffen auf, um das eisige Gebiet zu besiedeln, das Erik „Grönland“ taufte.
Er gründete dort die Gesellschaft der „Grænlendingar“ – zu Deutsch: „Nordbewohner“. In den folgenden Jahrhunderten hielten Erik und seine Nachfahren zwei Hauptsiedlungen aufrecht: eine am südlichen Zipfel Grönlands, die andere an der Westküste. Viele Spuren haben sie nicht hinterlassen – nur ein paar steinerne Ruinen zeugen noch von ihrem mutigen Vorstoß.
Grænlendingar (986 – 1408 n. Chr.)
Eriks wagemutige Siedler legten Felder an und jagten Robben, verdienten aber vor allem mit dem Handel von wertvollem Walross-Elfenbein gutes Geld. Ihre Gewinne steckten die Wikinger in Luxusgüter: In ihren Herrenhäusern fanden sich etwa importierte Glasfenster.
Der letzte bekannte Hinweis auf ihr Leben ist eine feine Hochzeitsfeier in der Hvalsey-Kirche im Jahr 1408 – danach scheinen die Wikinger ihre Siedlungen geordnet aufgegeben zu haben und spurlos verschwunden zu sein.
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Grænlendingar (986 – 1408 n. Chr.)
Warum die Wikingersiedlungen in Grönland schließlich aufgegeben wurden, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Während dieser Zeit kühlte das Klima deutlich ab, und die Pest wütete in Europa, was den Handel vermutlich einbrechen ließ und das Leben an diesem eisigen Außenposten quasi unmöglich machte.
Wer heute nach Grönland reist, kann die Ruinen dieser Ära noch bestaunen. Zu sehen sind die Überreste der von Wikingern erbauten Garðar-Kathedrale in Igaliku, die gut erhaltene Hvalsey-Kirche in Qaqortoq und die Höfe von Erik dem Roten in Qassiarsuk (hier im Bild).
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