14 Mythen der Weltgeschichte, die durch archäologische Funde belegt wurden
Überraschende Entdeckungen
Städte, die im Meer versanken, Frauen, die Kriege führten, und funkelnde Steine, die als Kompass dienten: Seit Anbeginn der Menschheit erzählen wir uns Geschichten – mal um die Welt zu erklären, mal um Wissen weiterzugeben, oder einfach, um uns zu unterhalten.
Kein Wunder, dass in diesen Mythen, Sagen, Märchen oder Legenden nicht selten die Grenze zwischen Wahrheit und Erfindung verschwimmt. Doch Ausgrabungen und archäologische Funde zeigen, dass so manch großer Mythos auch einen wahren Kern hat.
Entdecken Sie hier 14 spannende Erzählungen, bei denen Legende auf Realität trifft …
Adaptiert von Alina Halbe
Sonnensteine als Kompass der Wikinger
Haben Sie sich schonmal gefragt, wie die Wikinger eigentlich ohne Kompass über die Meere segeln konnten? In den nordischen Sagen ist von geheimnisvollen Sonnensteinen die Rede. Diese Kristalle sollen selbst an trüben Tagen den Stand der Sonne sichtbar gemacht haben und den Seefahrern so angeblich als Orientierung gedient haben.
2013 stießen Forscher in einem Schiffswrack aus dem 16. Jahrhundert auf einen Kristall aus Islandspat. Das ist eine transparente Variante von Calcit, einem kristallisierten Calciumcarbonat. Tests zeigten: Dieses Mineral kann Licht polarisieren und dadurch die Position der Sonne erkennen lassen – selbst wenn sie hinter Wolken verborgen ist.
Auch wenn der Fund aus einer späteren Epoche stammt, belegt er, dass die Methode schon zur Zeit der Wikinger möglich gewesen wäre. Das könnte erklären, wie die Wikinger auch in unbekannten Gewässern so sicher ihren Weg fanden.
Frauen als wilde Kämpferinnen
In den Sagen der alten Griechen tauchen sie als wilde Kämpferinnen auf: die Amazonen, ein Volk von Frauen, das ohne Männer lebte und ihnen im Kampf ebenbürtig gewesen sein soll. Lange galten diese Geschichten als reine Fantasie – oder auch als Spiegel der damaligen Angst vor selbstbestimmten Frauen.
Doch Ausgrabungen im heutigen Aserbaidschan erzählen eine andere Geschichte: In Gräbern aus der Bronzezeit fanden Archäologen Frauen, die mit Pfeilspitzen, Dolchen und sogar Streitkolben bestattet wurden. Anhand ihrer Knochen konnten Experten erkennen, dass sie viel zu Pferd unterwegs waren und auch mit Pfeil und Bogen gekämpft haben.
Ähnliche Funde in Russland, Armenien und Kasachstan belegen, dass es solche Kriegerinnen tatsächlich gab. Unklar bleibt allerdings, ob diese Frauen Inspiration für die griechischen Mythen waren oder nicht.
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Troja
Um das 8. Jahrhundert v. Chr. besang der griechische Dichter Homer in seiner „Ilias“ eine prächtige Stadt: Troja. Zehn Jahre lang, so die Dichtung, wurde sie belagert, nachdem ihr Prinz die Frau des spartanischen Königs geraubt hatte. In Homers Epos treten unsterbliche Helden wie Achilles und Hektor auf, die Götter mischen sich ein – und am Ende fällt die Stadt durch die List des Trojanischen Pferds. Über Jahrhunderte hinweg hielt man all das für reine Erzählkunst.
Doch in den 1870er-Jahren begann der deutsche Archäologe Heinrich Schliemann im heutigen Hisarlik in der Türkei zu graben – und legte die Reste einer befestigten Stadt frei, die mehrfach zerstört und wieder aufgebaut worden war (Bild). Spätere Ausgrabungen brachten zudem Funde und Spuren von Kämpfen ans Licht, die in die Zeit Homers passen. Troja hat es also tatsächlich gegeben – auch wenn vieles andere wohl im Reich der Mythen bleibt.
Gladiatoren im Kampf gegen Löwen
Haben die legendären Gladiatoren gegen Tiere gekämpft? Und wenn ja, gegen welche? Die Antworten darauf konnte man lange Zeit nur anhand von römischen Texten und Darstellungen in der Kunst – wie etwa auf dem hier abgebildeten Mosaik – erahnen. Im Jahr 2025 meldeten Archäologen jedoch, dass es physische Beweise für den Kampf zwischen Mensch und Löwen gibt.
Die Wissenschaftler hatten ein bereits 2004 gefundenes Skelett aus dem weltweit einzigen gut erhaltenen römischen Gladiatorenfriedhof analysiert, der sich außerhalb der historischen Stadtmauer im englischen York befindet. Im Becken des jungen Mannes zeigten sich Löcher und Bissspuren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von den Zähnen eines Löwen stammen. Laut diesem spektakulären Fund waren die blutigen Schauspiele zwischen Mensch und Raubkatzen also keine Erfindung.
El Dorado
Jahrhundertelang jagten europäische Abenteurer einer Legende hinterher: El Dorado, der sagenhaften Goldstadt irgendwo tief im Amazonas. Deren Herrscher soll so reich gewesen sein, dass er seinen Körper mit Goldstaub bestäubt und sich dann im kolumbianischen Lago Guatavita (Bild) rituell gereinigt hat. Viele ließen bei der Suche nach diesem magischen Ort ihr Leben und El Dorado wurde zum Sinnbild für ein unerreichbares Traumziel.
Doch 2010 entdeckten Wissenschaftler mithilfe von Satellitenbildern und LIDAR-Scans – einer Messmethode mit Laserstrahlen – mehr als 200 riesige geometrische Erdwerke, die sich über Hunderte Kilometer durch das südwestliche Amazonasbecken ziehen. Experten datierten sie auf einen Zeitraum zwischen 200 und 1283 n. Chr. und bewiesen damit: In dieser Region, in der man lange nur unberührten Dschungel vermutet hatte, existierte einst eine hochentwickelte Gesellschaft. Damit erscheint die Legende von El Dorado in einem ganz neuen Licht.
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Die mächtigen Hethiter
In alten Texten – vor allem in der Hebräischen Bibel, also dem, was im Christentum als Altes Testament bezeichnet wird – tauchen die Hethiter nur vage und am Rande auf. Lange vermuteten Historiker deshalb, es handle sich um eine biblische Ausschmückung ohne realen Hintergrund.
Das änderte sich erst im 19. und frühen 20. Jahrhundert: Archäologen entdeckten in Boğazköy, im heutigen Zentralanatolien, die Überreste von Hattusa – der Hauptstadt der Hethiter. Ab 1906 legte das Team um den deutschen Archäologen Hugo Winckler Tausende Keilschrifttafeln frei.
Sie erzählen von einem mächtigen Großreich der Bronzezeit, das zwischen dem 17. und 12. Jahrhundert v. Chr. blühte. Die Tafeln umfassen neben Gesetzestexten, Verträgen und Briefen auch religiöse Schriften – zusammen zeichnen sie das Bild einer hochentwickelten Zivilisation.
Herodot und die Sonnenfinsternis des Thales
Der Geschichtsschreiber Herodot berichtet von Thales von Milet, einem griechischen Philosophen, der während einer Schlacht zwischen Lydern und Medern im Jahr 585 v. Chr. eine Sonnenfinsternis vorausgesagt haben soll. Als sich der Himmel dann mitten im Kampf verdunkelte, erschraken die Heere so sehr, dass sie einen Waffenstillstand ausriefen.
Lange bezweifelte man, dass eine solche Vorhersage in der Antike überhaupt möglich war. Doch moderne astronomische Berechnungen zeigen: Genau an diesem Tag gab es tatsächlich eine totale Sonnenfinsternis in der Region. Wenn man den Schriften Herodots also glaubt, wäre dies eine der frühesten dokumentierten Vorhersagen eines solchen Himmelsereignisses.
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Die große Flut im alten China
Alte chinesische Legenden berichten von der „Gun-Yu-Flut“, einer Wetterkatastrophe, die Jahrzehnte angedauert haben soll und angeblich Dörfer wie Felder unter sich begrub.
In diesen Geschichten wird der Held Yu damit beauftragt, die Wassermassen zu bändigen – und tatsächlich gelingt ihm das. Denn statt Dämme zu errichten, woran sein Vater Gun gescheitert war, legt Yu Kanäle und Wasserläufe an, die den Fluten einen Weg ins Meer bahnen. Sein außergewöhnlicher Erfolg macht ihn nicht nur zum Helden, sondern schließlich auch zum Begründer der Xia-Dynastie, angeblich Chinas erster Dynastie.
Ein reiner Mythos? Vielleicht nicht. Denn geologische Befunde zeigen, dass es um 1920 v. Chr. tatsächlich zu einer gewaltigen Flut in China kam: Ein durch ein Erdbeben ausgelöster Bergrutsch hatte einen Damm aus Geröll entstehen lassen, der den Gelben Fluss anstaute. Als dieser Damm brach, wurden riesige Wassermassen freigesetzt. Manche Archäologen vermuten, dass dieses reale Ereignis die Grundlage für die sagenhafte Erzählung vom Ursprung der Xia-Dynastie lieferte.
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Der erste Computer aus der Antike
Im Zeitalter von Internet und Künstlicher Intelligenz unterschätzt man schnell, dass auch unsere Vorfahren schon erstaunliche technische Fähigkeiten hatten. Als Taucher 1901 vor der griechischen Insel Antikythera ein Schiffswrack untersuchten, stießen sie auf einen korrodierten Klumpen Bronze, der später als der erste analoge Computer der Geschichte bekannt werden sollte.
Der sogenannte Mechanismus von Antikythera stammt aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. und besteht aus 30 ineinandergreifenden Zahnrädern. Mit ihnen ließ sich berechnen, wann Sonnen- und Mondfinsternisse auftreten würden, wie sich die Planeten bewegten – und sogar, wann die nächsten Olympischen Spiele anstanden. Mit einem modernen Laptop mag er nicht mithalten können. Dennoch haben wir es hier mit einem Meisterwerk antiker Ingenieurskunst zu tun.
Atlantis
Das Rätsel um die versunkene Stadt Atlantis beschäftigt die Menschheit bis heute. Mittlerweile weiß man: Der Mythos könnte doch ein Fünkchen Wahrheit enthalten. Um 1600 v. Chr. ereignete sich auf der griechischen Insel Santorin, damals Thera genannt, einer der gewaltigsten Vulkanausbrüche der vergangenen 10.000 Jahre.
Dass es diese Katastrophe wirklich gab, zeigen nicht nur dicke Ascheschichten, die die minoische Stadt Akrotiri unter sich begruben und so gleichzeitig bewahrten (Bild). Auch Bimssteinfunde bis nach Ägypten und in die Türkei sowie Tsunami-Spuren an Kretas Küsten und Schwefelablagerungen im grönländischen Eis zeugen von dem verheerenden Naturereignis.
Der Ausbruch zerstörte Siedlungen, löste Flutwellen aus – und könnte Jahrhunderte später die Geschichten von versunkenen Welten wie Atlantis befeuert haben, einer Stadt, die der Philosoph Platon mehr als tausend Jahre danach erstmals erwähnte.
Die Göttlichen Zwillinge der Maya
In der Mythenwelt der Maya spielen die Heldenbrüder Hunahpú und Ixbalanqué eine zentrale Rolle: Sie bestehen gefährliche Prüfungen, besiegen Götter, sterben und werden wiedergeboren. Im heiligen Buch der Maya – Popol Vuh – steigen sie daraufhin in den Himmel auf, einer wird zur Sonne, der andere zum Mond.
2024 berichtete ein internationales Forschungsteam in einer Studie von rituellen Opfergaben in Chichén Itzá, einer alten Maya-Stadt im Herzen der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Dafür waren 64 Skelette männlicher Kinder untersucht worden, die zwischen 500 und 900 n. Chr. rituell geopfert und in einer Zisterne bestattet worden waren. Einige von ihnen waren genetisch identische Zwillinge. Für die Experten ist das ein Hinweis darauf, dass die Geschichte der Heldenzwillinge nicht nur ein Mythos war, sondern als religiöses Vorbild für rituelle Zeremonien diente.
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Das geheimnisvolle Grab des Prinzen Gao
In alten chinesischen Quellen heißt es, Prinz Gao – ein Sohn des ersten Kaisers Qin Shi Huang – habe sich gewünscht, im prächtigen Mausoleum seines Vaters bestattet zu werden. Doch Jahrhunderte lang fehlte jede Spur von diesem Grab.
Dann entdeckten Archäologen in der Nähe der berühmten Terrakotta-Armee einen gewaltigen, 16 Tonnen schweren Sarg. Er war mit Jade, Münzen, Waffen und kunstvollen Kamelfiguren aus Gold und Silber gefüllt. Größe und Ausstattung passen genau zu den Beschreibungen von Prinz Gaos Begräbnis. Für viele Wissenschaftler ist das ein starkes Indiz: Das legendäre Grab des Prinzen könnte endlich gefunden sein.
Ägyptens versunkene Stadt
In diversen Texten aus dem antiken Griechenland ist von Herakleion – oder auch Thonis – die Rede. Diese glanzvolle Hafenstadt liegt im heutigen Ägypten.
Ihren griechischen Namen Herakleion erhielt Thonis durch den Tempel des Mondgottes Chons, Sohn des Amun, der hier als Heil- und Orakelgott verehrt wurde. Die Griechen setzten den jugendlichen Gott mit Herakles gleich und der Geschichtsschreiber Herodot berichtet, dass dieser Tempel der Ort gewesen sein soll, an dem Herakles erstmals ägyptischen Boden betreten hat. Damals kamen hier Händler aus dem gesamten Mittelmeerraum zusammen. Im Mittelalter war die Stadt jedoch spurlos verschwunden – viele hielten sie nur noch für Seemannsgarn.
Erst im Jahr 2000 gelang dem französischen Unterwasserarchäologen Franck Goddio die spektakuläre Entdeckung: Vor der Küste Alexandrias fand er die Überreste der versunkenen Stadt. Tempel, gewaltige Statuen, Goldmünzen und Alltagsgegenstände lagen dort erstaunlich gut erhalten auf dem Meeresgrund – Zeugnisse einer einst blühenden Metropole, die wohl durch Erdbeben und steigende Wasserstände vom Meer verschlungen wurde.
Tenea – die Stadt der trojanischen Gefangenen
Alte griechische Überlieferungen erzählen, dass trojanische Gefangene nach dem Fall Trojas eine Stadt namens Tenea gründeten. Lange Zeit zweifelten Historiker jedoch an ihrer Existenz.
Das änderte sich mit Ausgrabungen ab dem Jahr 2013, bei denen genau an dem Ort, der in der Legende genannt wird, Sarkophage, Statuen und Gebäudereste gefunden wurden. Heute sind sich Archäologen einig: Bei dem freigelegten Areal handelt es sich um die vergessene Stadt Tenea.
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