Flughäfen sind selten ruhig. Wer nicht gerade mitten in der Nacht ankommt, findet sich in der Regel in einem Gewimmel aus Touristen, Geschäftsreisenden und Flughafenpersonal wieder. Aber stellen Sie sich vor, Sie kommen zum Terminal und finden dort niemanden vor. Ein unheimlicher Gedanke, aber einer, der wahr werden könnte, wenn Sie einen der folgenden verwaisten Airports besuchen.
Lesen Sie hier, was hinter neun dieser Ruinen der Luftfahrt steckt ...
Adaptiert von Astrid Hofer, Sandra Schröpfer und Jasmin Moore
Jahrzehntelang war der Flughafen Athen-Ellinikon, gebaut im Jahr 1938, Griechenlands wichtigster Flughafen. 2001 musste er dann aber den Weg für den neu gebauten Athener Flughafen freimachen und wurde geschlossen.
2004 diente ein Teil des alten Flughafengeländes als Austragungsstätte für die Olympischen Spiele in Athen.
Das nordwestliche Areal zum Beispiel wurde für Hockey- und Baseballveranstaltungen genutzt. In dem zu einer Sporthalle umgestalteten Hangar fanden Fechtveranstaltungen sowie Basketballwettkämpfe statt.
Mit Abschluss der Olympischen Spiele endete aber auch die Ära des alten Airports endgültig.
Der ehrgeizige Plan, das Gelände in einen Park zu verwandeln, musste begraben werden, als ganz Griechenland in die Wirtschaftskrise rutschte.
Es gab immer wieder Pläne, das verlassene Gelände an Investoren zu verpachten und daraus eine Ferienanlage zu machen. Doch daraus wurde nichts.
Jetzt soll auf der rund sechs Quadratkilometer großen Fläche das größte Stadtentwicklungsprojekt Europas entstehen. Mit riesigem Küstenpark sowie Wohn-, Einzelhandels- und vielen Gewerbeflächen.
Für diese einsame Landebahn gab es einmal große Pläne. Hier, in einer abgelegenen Gegend im Süden Floridas, sollte ein interkontinentaler Knotenpunkt für Hyperschalljets mit insgesamt sechs Start- und Landebahnen, und damit der größte Flughafen der Welt entstehen. Doch dann kam alles anders ...
1968 begann der Bau des Everglades Jetport, nur wenige Monate vor dem Jungfernflug der Concorde. Auch eine Anbindung an Hochgeschwindigkeitszüge in große US-Metropolen war vorgesehen.
Aber dann stieß die Hyperschallluftfahrt auf großen Widerstand, in Florida wurden Umweltbedenken laut. So sehr sogar, dass der Bau des imposanten Flughafens schließlich abgebrochen wurde. Heute erinnert nur noch eine verlassene Landebahn an das einstige Milliardenprojekt.
Der Aeropuerto Central Ciudad Real in der spanischen Autonomie Kastillien-La Mancha wurde 2008 unter großem Tamtam eröffnet. Allerdings stand das private Prestigeprojekt, dessen Bau bis zu einer Milliarde Euro gekostet haben soll, von Anfang an unter keinem guten Stern.
Der Flughafen lag nicht nur in der Mitte von Nirgendwo, seine Eröffnung 2008 fiel auch mit der Finanzkrise und der anschließenden Rezession zusammen. Der Flughafen konnte nicht genügend Airlines überzeugen und schaffte es nicht aus den roten Zahlen.
Vueling war die letzte kommerzielle Airline, die den Flughafen noch ansteuerte. Doch auch die spanische Gesellschaft stellte 2011 alle Flüge von und nach Ciudad Real ein.
Nur wenig später kam der kommerzielle Betrieb ganz zum Erliegen.
Der Flughafen, auf dem jedes Jahr mehr als zehn Millionen Passagiere hätten landen sollen, wurde 2012 ganz geschlossen. Hauptgebäude, Landebahn sowie das nahe gelegene Besucherzentrum stehen seitdem leer.
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Auch das große Parkplatzgelände (im Bild) steht völlig verwaist dar.
Als der Flughafen schloss, wurden alle Baumaßnahmen sofort gestoppt. Und so ist der Fußgängerweg, die vom Flughafen zum Bahnhof der Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid-Sevilla führen sollte, nur halb fertiggestellt.
Allerdings scheint der glücklose Geisterflughafen wieder Aufwind zu bekommen. Nach mehreren Eigentümerwechseln kaufte sich eine Gruppe von Investoren ein. Spaniens größte Investitionsruine wird nun als Räumlichkeiten für technischen Support, Instandhaltung von Flugzeugen und Flugtraining genutzt.
Auch während der Corona-Krise wurde der Flughafen Ciudad Real als Abstellplatz für stillgelegte Maschinen genutzt.
Der ehemalige Flughafen von Hongkong war einst der wichtigste Airport der Metropole. Kai Tak – im zentralen Stadtteil Kowloon gelegen – galt als einer der meistfrequentierten Luftverkehrsknotenpunkte der Welt.
Mit Hongkongs raschem Wachstum in den 1980er- und 1990er-Jahren wurde die Überfüllung des Flughafens zu einem Problem und die Umweltverschmutzung für die Anwohner unerträglich.
Kai Tak machte sich nicht nur als größter Flughafen der Welt einen Namen, sondern auch als eine der am schwierigsten anzufliegenden Landebahnen. Piloten mussten eine nahegelegene Gebirgskette sowie Hochhausreihen in einer scharfen Kurve umfliegen. Oft führten dabei starke Windböen dazu, dass die Flugzeuge über die Landebahn hinausschossen.
In den 73 Betriebsjahren des Flughafens kam es bei vielen Start- und Landeanflügen zu Unfällen. So stürzte etwa 1993 eine Boeing 747 von China Airlines, die während eines Taifuns von der Landebahn schoss, in das Becken des Victoria Harbour. Für die 396 Passagiere ging das Drama zum Glück glimpflich aus.
Die unkalkulierbaren Unfallrisiken sowie das gewachsene Verkehrsaufkommen am Flughafen Kai Tak führten im Jahr 1998 zur Schließung. Und zur Eröffnung von Chek Lap Kok.
Der neue internationale Flughafen von Hongkong wurde weiter entfernt von den zentralen Wohngebieten der Stadt gebaut. So konnten die Höhenbeschränkungen für Gebäude in Kowloon aufgehoben werden und Wolkenkratzer von schwindelerregender Höhe aus dem Boden schießen.
Seit 2013 wird der alte Flughafen als Kreuzfahrtterminal genutzt.
Mehr als 730.000 Passagiere pro Jahr laufen hier ein – nur ein Bruchteil von den fast 30 Millionen Passagieren, die den Flughafen einst jährlich ansteuerten.
Der Stapleton International Airport war bis 1995 der Hauptflughafen von Denver, der Hauptstadt von Colorado, und ein wichtiger Flughafen für den Westen der USA.
66 Jahre lang diente er Gesellschaften wie Frontier und United Airlines als Drehkreuz, ebenso wie der heute nicht mehr existierenden Continental Airlines oder der in Denver ansässigen Rocky Mountain Airways.
Mit sechs Start- und Landebahnen sowie fünf Terminals und mehr als 1.200 Beschäftigten war der Flughafen ein ernstzunehmender Betrieb. Allerdings nicht groß genug.
Die Nachfrage im Flugverkehr nahm zu, aber der Flughafen konnte einfach nicht mithalten. Was zu Verkehrsstaus führte.
1995 gingen die Lichter auf sämtlichen Start- und Landebahnen in Stapelton aus. Der gesamte Flugverkehr wurde an den Denver International Airport – heute der wichtigste Knotenpunkt des US-Bundesstaates – abgegeben.
Vom einstigen Stapleton International Airport ist nicht mehr viel zu erkennen.
Im Jahr 1997 wütete ein schwerer Sturm über Stapleton und beschädigte mehrere Flughafengebäude so schwer, dass ein Großteil des Areals abgerissen wurde.
Der alte Flugsicherungsturm aber wird heute als Bowlingbahn und Restaurant genutzt. Und das Gelände um den Turm herum wurde als Wohngebiet neu bebaut.
Der Flughafen von Nikosia auf Zypern war einst der wichtigste Flughafen der Mittelmeerinsel und hieß jährlich hunderttausende Touristen willkommen. Doch seit langem steht rund um Rollfeld und Terminal alles still.
Im Juli 1974 marschierte das türkische Militär in Zypern ein. Eines der ersten Ziele war der internationale Flughafen, der durch Bombenangriffe schwer getroffen wurde.
Die Vereinten Nationen erklärten den Airport während des Konflikts zum Schutzgebiet (UNPA). Und auch nach den Kämpfen verblieb er in der von der UN kontrollierten Pufferzone.
Der verlassene Flughafen liegt im Niemandsland zwischen der Republik Zypern und der selbsternannten, international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern.
Heute nutzen die UN-Friedenstruppen den Airport als Hauptsitz in Zypern. Vieles aber erinnert noch an die Zeit, in der Chartermaschinen wie Linienflugzeuge den größten Airport Zyperns anflogen: der Terminal, jede Menge Hinweisschilder und bequeme Sitzbänke.
Immer wieder tauchen Pläne auf, ihn unter Aufsicht der UN wiederzueröffnen. Aber noch bleibt die Zukunft des Flughafens ungewiss.
Die heute trostlosen Überreste des Floyd Bennett Field liegen auf der Barren Island im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Der Flughafen wurde 1931 erbaut und nach dem amerikanischen Flugpionier Floyd Bennett benannt, der 1926 den Nordpol angeflogen hatte.
Floyd Bennett Field war Schauplatz einiger bahnbrechender Flüge, darunter etwa die Rekord-Weltumrundung des Luftfahrtpioniers Howard Hughes im Jahr 1938.
Floyd Bennett Field war zwar Schauplatz einiger Premieren in der Luftfahrt, erreichte jedoch nie das erhoffte Verkehrsaufkommen bei Passagierflügen – was zum Teil auf die Konkurrenz des Flughafens Newark im benachbarten New Jersey zurückzuführen war. American Airlines war ab 1937 die einzige Fluglinie, die den Flughafen anflog. 1941 wurde Floyd Bennett Field in einen Marinestützpunkt umgewandelt und erfüllte diese Funktion bis zu seiner Schließung in den frühen 1970er-Jahren.
Heute ist der ehemalige Flughafen ein beliebtes Ziel für sogenannte Urban Explorer, die einen Blick in das düstere Innere und auf seine alten Gemäuer werfen wollen. Der Flugkontrollturm wurde inzwischen in das William Fitts Ryan Visitor Center (im Bild) umgewandelt, das an das goldene Zeitalter der Luftfahrt erinnert.
Mitten im Berliner Ortsteil Tempelhof ist der einstige Flughafen Berlin-Tempelhof in seinem erstarrten Zustand erhalten geblieben. Er war einer der ersten Verkehrsflughäfen Deutschlands, als er 1923 den Flugbetrieb aufnahm.
Das heutige Terminal entstand zwischen 1936 und 1941. Es galt als hochmodern und war eines der größten Gebäude seiner Art in Europa.
Nach seiner Schließung im Jahr 2008 wurde das verlassene Flughafengelände zwei Jahre später vom Land Berlin aufgekauft und der Öffentlichkeit als Stadtpark zugänglich gemacht. Seit 2014 ist das Areal als Tempelhofer Feld bekannt und erfreut sich besonders bei Rollschuhfahrern, Joggern, Spaziergängern und Radfahrern großer Beliebtheit.
Das ehemalige Flughafengebäude wird auf verschiedene Weise neu genutzt: Bei einer zweistündigen Führung können Besucher hinter die Kulissen blicken. Während der Radarturm von der Bundeswehr zur Luftraumüberwachung genutzt wird, kann das 300 Hektar große Gelände für Veranstaltungen gebucht werden. Ein Teil des Gebäudes wird zudem von der Polizei angemietet. Auf dem Gelände sind zudem mehrere Unterkünfte für Geflüchtete untergebracht.
Der Flughafen Manston in der südenglischen Grafschaft Kent stammt aus dem Ersten Weltkrieg und wurde zunächst für Notlandungen von Flugzeugen genutzt. 1916 wurde ein Flugplatz errichtet, der während des Zweiten Weltkriegs eine wichtige Rolle in der britischen Luftverteidigung spielte.
Obwohl der Flughafen seit den 1980er-Jahren kommerzielle Flüge anbot, war er nicht ausreichend ausgelastet und nie finanziell erfolgreich, sodass er 2014 endgültig geschlossen wurde.
Seitdem liegt das Gelände trotz verschiedener Pläne für eine Neubebauung brach. Es wurde in der Vergangenheit als Parkplatz für Lastwagen genutzt, die zwischen dem englischen Dover und der französischen Hafenstadt Calais unterwegs waren.
Kurzzeitig wurde es auch als Filmkulisse für den Spielfilm „Empire of Light“ (2022) genutzt, ansonsten sind die verfallenen Gebäude eher eine schaurige Erinnerung an vergangene Zeiten. Doch es gibt Hoffnung: Geplant ist, den Flughafen in den nächsten Jahren für Frachtflugzeuge wieder zu öffnen.
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