Augenblicke per Foto für die Ewigkeit festzuhalten, ist heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Im 19. Jahrhundert war es dagegen eine Sensation: Anfangs waren die Aufnahmen noch verschwommen, schnell wurden die Bilder aber immer klarer und erzählten von Industrialisierung und Modernisierung, aber auch von Krieg und Katastrophen. Die ersten Fotos der Geschichte sind spannende Zeitzeugnisse, die uns erlauben, die Welt so zu sehen, wie sie damals wirklich war.
Von weltberühmten Erfindungen über Soldatenporträts bis hin zu idyllischen Panoramaaufnahmen: Kommen Sie mit auf eine Zeitreise durch die frühe Geschichte der Fotografie ...
Adaptiert von Alina Halbe
Zugegeben: So richtig viel erkennen kann man nicht, trotz des Bildtitels „Blick aus dem Fenster in Le Gras“. Die Aufnahme wurde im Jahr 1826 (oder auch 1827) von dem französischen Amateurwissenschaftler, Erfinder und Künstler Joseph Nicéphore Niépce gemacht.
Er verwendete dabei eine Technik namens Heliografie, um einen Teil seines Anwesens Le Gras im Osten Frankreichs fotografisch festzuhalten. Mit etwas Vorstellungskraft kann man die Umrisse von Gebäuden und Bäumen erkennen. Heute unvorstellbar: Dieses erste Foto der Welt benötigte mindestens acht Stunden Belichtungszeit. Auf den ersten Blick mag es unspektakulär erscheinen. Dennoch ist dieses „Foto“ der Ursprung der Bilder, die heute im Sekundentakt auf Instagram und Co. gepostet werden.
Hätte man dieses Foto mit einem modernen Smartphone aufgenommen, würde es eine lebendige Pariser Straße voller Kutschen und Passanten zeigen. Doch bei diesem Bild handelt es sich um eine sogenannte „Daguerreotypie“ und genau deshalb erscheint die Straße wie ausgestorben:
Der französische Fotopionier fand heraus, dass man mit einer versilberten Kupferplatte, Quecksilberdämpfen und Natriumthiosulfat eine Bildaufnahme sichtbar und dauerhaft fixieren konnte. Die Belichtungszeiten lagen allerdings zwischen drei und 15 Minuten. Und weil man mit der Technik keine Bewegung festhalten konnte, blieben nur zwei unbewegliche Figuren links unten im Bild: ein Schuhputzer und sein Kunde – wohl völlig ahnungslos, dass sie in die Geschichte der Fotografie eingehen würden.
Als die Daguerreotypie 1839 an der Pariser Académie des sciences vorgestellt wurde, dauerte es nicht lange, bis die neue Fototechnik im selben Jahr noch ihren Weg über den Ärmelkanal und den Atlantik fand.
Ein französischer Fotograf namens Monsieur de St. Croix erstellte dieses Bild im Rahmen einer öffentlichen Demonstration der neuen Technologie. Im Fokus: die Reiterstatue von Charles I. bei Charing Cross unmittelbar südlich des Trafalgar Square. Jene geschichtsträchtige Kreuzung gilt als Mittelpunkt Londons. Von dort aus werden alle Entfernungen zur britischen Hauptstadt gemessen. Wer genau hinsieht, entdeckt schemenhafte Gestalten im Hintergrund: Londoner, die gerade lange genug stillhielten, um als geisterhafte Silhouetten verewigt zu sein.
Auf diesem Porträt sieht man John Quincy Adams, den sechsten Präsidenten der USA und Sohn des Gründervaters John Adams.
Als das Foto des ernst dreinblickenden Staatsmannes 1843 in einem Studio in Washington D.C. aufgenommen wurde, war er allerdings seit 14 Jahren gar nicht mehr im Amt. Und es ist wohl auch nicht das erste Präsidentenfoto überhaupt – diese Ehre gebührte wahrscheinlich William Henry Harrison, der am Tag seiner Amtseinführung zwei Jahre zuvor fotografiert worden sein soll.
Doch sowohl das Bild als auch sein Amt waren nur von kurzer Dauer: Die Aufnahme ist längst verschollen und Harrison ging mit nur 32 Tagen Amtszeit als der am kürzesten regierende US-Präsident in die Geschichte ein. Damit ist diese Aufnahme von John Quincy Adams das älteste noch erhaltene Foto eines US-Präsidenten.
Dieses mysteriöse Foto wird auch als das erste „Pressefoto“ der Geschichte betrachtet. Was macht es so mysteriös? Bei diesem Schnappschuss bleiben bis heute viele Fragen offen: Wer ist der Fotograf? Wer wird hier verhaftet? Wer sind die Polizisten? Und was ist überhaupt der Grund für die Verhaftung?
Auch der Ort in Frankreich, an dem das Foto entstand, sowie das spätere Schicksal des Mannes sind ungewiss. Doch obwohl auf der ohnehin schon grobkörnigen Aufnahme kleine Flecken das Gesicht des Verhafteten verdecken, ist sein herausfordernder Blick unübersehbar.
1848 ging als „Revolutionsjahr“ in die Geschichte ein – eine Welle des Aufstands rollte quer durch Europa, von Paris bis Palermo. In Frankreich musste König Louis-Philippe I. im Februar abdanken, und nur wenige Monate später brach im Juni in Paris ein erneuter Aufstand aus.
Dieses Foto zeigt die letzte Bastion der aufständischen Arbeiter – eine verbarrikadierte Straße im Osten von Paris, die nur einen Tag später von der Armee gestürmt wurde. Der Fotograf Charles-François Thibault hielt diesen historischen Moment fest. Viele betrachten das Bild als das erste Beispiel für Fotojournalismus, da es später als Stich in der Zeitung „L’Illustration“ veröffentlicht wurde.
Der französische Maler und Fotograf Eugène Constant verbrachte die Jahre zwischen 1848 und 1852 in Rom und widmete sich mit seiner Kamera vor allem den großen Wahrzeichen der Stadt – von der Villa Medici bis zum Kolosseum und dem Forum Romanum.
In gewisser Weise sind die Fotos, die im Rahmen dieser Serie entstanden sind, zeitlos. Das hier abgebildete Pantheon etwa ist ein Meisterwerk antiker Ingenieurskunst, das seit dem Jahr 125 n. Chr. stoisch an seinem Platz steht. Würde man nicht genau auf die Fassaden der Häuser ringsherum achten, könnte dieses 176 Jahre alte Foto also quasi auch eine Aufnahme von heute sein – mit digitalem Filter in Vintage-Optik, versteht sich.
Die Vereinigten Staaten von Amerika sind noch vergleichsweise jung, daher gibt es für einen großen Teil ihrer Geschichte fotografische Belege. So existieren etwa Bilder aus dem Sezessionskrieg, vom Bau der Eisenbahnen und aus der Zeit des Goldrauschs in Kalifornien.
Die fieberhafte Suche nach Gold begann 1848, als das edle Metall in den Ausläufern der Sierra Nevada entdeckt wurde; heute ist die Gegend passenderweise als El Dorado County bekannt. Rund 300.000 Migranten strömten aus dem In- und Ausland in die Region, zerstörten indigene Gemeinschaften und ebneten den Weg für die Aufnahme Kaliforniens als Bundesstaat. Dieses Foto von 1852 zeigt weiße und chinesische Bergleute an einer Waschrinne in Auburn Ravine, nahe dem heutigen Sacramento.
Dieses Foto von Moskau stammt von dem britischen Reisefotografen Roger Fenton und gehört zu den ältesten noch erhaltenen Bildern des Russischen Kaiserreichs. Zu dieser Zeit wurde das Russische Reich vom Autokraten Zar Nikolaus I. regiert und etwa 40 Prozent der Bevölkerung lebten als leibeigene Bauern, die gemeinsam mit Landbesitz gekauft und verkauft wurden.
In der Mitte des Bildes sieht man, wie die Moskwa durch die Stadt fließt. Außerdem erkennt man die Zwiebeltürme der Basilius-Kathedrale und die markanten Spitzen des Kremls am rechten Ufer. Schon ein Jahr später brach dann der Krimkrieg aus, in dem Russland gegen Großbritannien, Frankreich und das Osmanische Reich kämpfte. Der Fotograf Fenton wurde dank der Aufnahmen, die er in diesem verheerenden Konflikt machte, berühmt.
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Fenton nahm im Jahr 1855 unter extrem schwierigen Bedingungen rund 360 Fotos während des Krimkrieges auf. Sie gelten heute als der erste ernsthafte Versuch, einen Krieg fotografisch zu dokumentieren.
Fenton reiste unter königlicher Schirmherrschaft und wurde von der Marine und der britischen Regierung unterstützt. Kampfhandlungen, Verwundete oder sogar Tote durfte er jedoch nicht zeigen – oder wollte es nicht. Trotzdem vermitteln seine Bilder von abgekämpften Offizieren, mit Kanonenkugeln übersäten Tälern und endlosen Artilleriereihen ein eindringliches Bild der Schrecken dieses Krieges. Dieses Foto zeigt das Lager der sogenannten „5th Dragoon Guards“, eines britischen Kavallerieregiments, das in der Schlacht von Balaklawa kämpfte.
Viele von Fentons Aufnahmen sind gestellte Porträts von britischen Soldaten, da die Fotografie zu dieser Zeit noch nicht wirklich in der Lage war, Bewegungen festzuhalten. So ist auch dieses Bild einer Gruppe der 71st Highlanders, einem Regiment der Infanterie, entstanden.
Links steht ein sogenannter Colour Sergeant in voller Marschausrüstung mit langem Gewehr. Beobachtet wird er von drei Offizieren, die in prächtigem Tartan gekleidet sind und ihre Schwerter griffbereit halten. Die überwiegende Mehrheit der britischen Opfer in diesem Krieg starb übrigens nicht durch Kugeln, sondern an Krankheiten. Fentons Fotografien – zusammen mit der Einführung des Telegrafen – trugen dazu bei, ihre Schicksale an die Öffentlichkeit zu bringen.
Das erste Foto Australiens war ein Porträt aus den 1840er-Jahren, das mithilfe der Daguerreotypie entstanden ist. Doch diese Landschaftsaufnahme aus dem Jahr 1858 ist dagegen deutlich spektakulärer.
Warum? Sie gehört zu einer Serie von zwölf Bildern, die zusammen ein vollständiges Panorama der rasant wachsenden Skyline von Sydney ergeben. Der schwedischstämmige Fotograf Olaf William Blackwood nahm sie auf, indem er seine Kamera im 360-Grad-Winkel bewegte. Fotografiert wurde von einem Turm des Government House aus – nur einen Steinwurf entfernt von dem Ort, an dem heute Sydneys weltberühmtes Opernhaus steht.
Die Bilder zeigen Dreimaster, die im Hafen von Sydney ankern. Im Hintergrund erstreckt sich die immer größer werdende Stadt. Zu dieser Zeit wurden immer noch britische Sträflinge in großer Zahl nach Australien deportiert.
In dieser Aufnahme zeigt der Fotograf Blackwood eine Alltagsszene aus Sydney: Die Aufnahme des Korbwarenladens Wiley & Son in der Park Street ist erstaunlich detailreich und wurde im August 1858 in der Tageszeitung „Sydney Morning Herald“ veröffentlicht.
Wer genau hinsieht, erkennt einen elegant gekleideten Herrn, der vor dem Geschäft posiert. Es ist wahrscheinlich der Inhaber, der hier im weißen Dreiteiler und mit Zylinder der gleißenden Sonne Sydneys trotz. Rechts davon sitzt eine Frau, die vermutlich seine Ehefrau ist, auf einem Stuhl.
Zur Zeit der Napoleonischen Kriege existierte die Fotografie noch nicht. Zur Erinnerung: Napoleon starb 1821 im Exil. Doch die Ereignisse der turbulenten Epoche waren auch Jahrzehnte später noch in lebendiger Erinnerung.
1858 entstand eine Serie von Porträts, die vermutlich in Paris aufgenommen wurde und den verblassten Ruhm von Napoleons legendärer Grande Armée festhielt, indem sie einige der letzten noch lebenden Veteranen in voller militärischer Uniform zeigte. Dieser selbstbewusste Herr ist Quartiermeister Fabry der 1. Husaren, der stolz seine Helenamedaille trägt – eine Auszeichnung, die 1857 an alle überlebenden Soldaten aus Napoleons Feldzügen verliehen wurde.
Der Papst gehört bis heute zu den mächtigsten Personen der Welt – und Mitte des 19. Jahrhunderts war sein Einfluss noch weitaus größer. Papst Pius IX. war mit einer Amtszeit von knapp 32 Jahren der am längsten amtierende Papst aller Zeiten, abgesehen vom Apostel Petrus, der laut kirchlicher Überlieferung mindestens 34 Jahre regierte.
Dieses Foto aus dem Jahr 1860 zeigt eindrucksvoll, wie die Menschen in Scharen zum Petersdom im Vatikan pilgerten, um den Segen von Papst Pius IX. zu empfangen. Man kann nur erahnen, wie weit die Strecken waren, die viele der Gläubigen mit ihren Pferden und Kutschen zurückgelegt haben, um diesem besonderen Moment beizuwohnen.
Der Amerikanische Bürgerkrieg wurde besser dokumentiert als jeder vorherige Konflikt und wird manchmal als der erste „richtig“ fotografierte Krieg bezeichnet.
Ganz im Gegensatz zu Fentons inszenierten Aufnahmen britischer Offiziere aus dem Krimkrieg zeigten amerikanische Fotografen in den 1860er-Jahren zerstörte Städte, Schützengräben und von Leichen übersäte Schlachtfelder. Diese Aufnahme von Mathew Brady stammt etwa aus dem Jahr 1861 und zeigt eine Artillerieübung bei Fredericksburg. Es ist angeblich das erste Bild, das das Unionsheer im Einsatz zeigt. Was man damals noch nicht weiß: Der Sezessionskrieg wird noch weitere vier Jahre lang andauern und reichlich grausame Szenen bieten.
Zwar fehlten in den 1860er-Jahren die riesigen Wolkenkratzer aus Glas und Beton noch, doch die Gegend rund um die Wall Street war bereits um einiges beeindruckender als viele andere Teile der Stadt.
Eine internationale Rezession im Jahr 1866 führte zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit – besonders problematisch für die Kriegsinvaliden, die in die Stadt strömten. Dennoch wuchs die Straße weiter. Auf der linken Seite dieses Fotos erkennt man die acht Säulen der Federal Hall. Es war das erste Zollhaus der USA und wurde 1842 eröffnet. Bis heute steht es in der weltberühmten Wall Street.
Vom globalen Massentourismus war man zwar in den 1860er-Jahren noch weit entfernt. In Großbritannien erlebte der Badeort Brighton zu dieser Zeit allerdings einen echten Boom.
Die seltsam aussehenden Hütten auf Rädern auf diesem Bild sind sogenannte „Badekarren“. In diesen mobilen Umkleidekabinen konnten sich Frauen geschützt vor neugierigen Blicken umziehen. Dann rollten sie am Strand entlang direkt ins Wasser und wurden von einem Pferdegespann sogar bis in tiefere Gefilde gezogen. Selbst Königin Victoria besaß eine solche Badekarre auf ihrem Anwesen auf der Isle of Wight. Zu ihrer Blütezeit waren diese Hütten in ganz Westeuropa und Nordamerika verbreitet.
Japan hatte sich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts nahezu vollständig isoliert, sodass moderne Technologien nur langsam ins Land drangen. Über Jahrhunderte hinweg durften nur die Niederländer Handel mit Japan treiben – und das unter strengsten Auflagen.
Das erste Foto Japans – mühsam mit einer importierten Daguerreotypie-Kamera aufgenommen – war ein Porträt aus dem Jahr 1857. Da die Technik nicht korrekt angewendet wurde, war das Bild fast unkenntlich. Dieses Bild dagegen wurde einige Jahre später vom niederländischen Arzt Antoon Bauduin aufgenommen. Bauduin wurde 1862 mit der Leitung eines Krankenhauses in Nagasaki betraut und stellte ein beeindruckendes Portfolio an Aufnahmen zusammen. Beim Fotografieren konzentrierte er sich vor allem auf traditionelle Kabuki-Theateraufführungen, Bauern und Samurai, so wie die hier abgebildeten, deren Doppelschwerter an den Hüften sichtbar sind.
Gut, es gab sicher dramatischere Vorkommnisse in der US-amerikanischen Geschichte, aber was auf diesem Foto festgehalten wurde, gehörte dennoch zu den wichtigsten Ereignissen in der Geschichte des Landes.
1869 wurde ein symbolischer goldener Nagel in den letzten Schienenabschnitt der brandneuen First Transcontinental Railroad in Promontory im US-Bundesstaat Utah eingeschlagen. Damit waren die Linien der Central Pacific Railroad und der Union Pacific Railroad erstmals miteinander verbunden, sodass die gesamte Nation von Schienenverkehr durchzogen wurde.
Die etwa 2.846 Kilometer lange Strecke war ein gewaltiges Projekt und hatte enorme Auswirkungen: Nicht nur wurde der Westen von nun an schnell besiedelt, auch der industrielle Warenverkehr kam sprichwörtlich ins Rollen, dazu fingen Rassenkonflikte an zu brodeln und die Nation erlangte ein neues Selbstverständnis.
Hongkong wurde 1841 britische Kolonie, ein Jahr vor dem Ende des Ersten Opiumkrieges und just zu der Zeit, als sich die Fotografie als ernstzunehmendes internationales Medium etablierte.
Die ersten Fotos von China waren Daguerreotypien, die der französische Zollbeamte Jules Itier in den 1840er-Jahren aufnahm. Allerdings sind die davon noch erhaltenen Aufnahmen in keiner besonders guten Qualität und zeigen sich wiederholende Motive. Dieses Foto aus dem Jahr 1869 porträtiert dagegen ein viel prachtvolleres Ereignis: die Ankunft des damaligen Herzogs von Edinburgh, Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha, im Hafen von Hongkong zu einem seltenen königlichen Besuch.
Als der britische Fotograf John Thomson beauftragt wurde, vom königlichen Besuch in Hongkong Fotos zu machen, war er praktischerweise schon vor Ort, denn er war vorher ausgiebig in Südostasien gereist. Wie man auf diesem Bild sieht, wurden keine Mühen gescheut, den 25-jährigen Herzog von Edinburgh gebührend zu empfangen: Diese Straße, die Bonham Strand, wurde mit opulenten Kronleuchtern festlich geschmückt. Dazu wurden riesige Kästen mit mechanischen Figuren, wie Theaterszenen, aufgehängt.
Nach seiner Abreise aus Hongkong reiste der Fotograf Thomson durch China und fotografierte eine Serie von Bildern in Peking. Sie geben einen seltenen Einblick in das kaiserliche China der Qing-Dynastie.
Dieses Foto wurde Anfang der 1870er-Jahre von der Stadtmauer der chinesischen Hauptstadt aus aufgenommen und zeigt eine ihrer Hauptstraßen, die direkt zum Kaiserpalast führt. Im Mittelpunkt des Bildes ist die sogenannte „Brücke der Bettler“ zu sehen, ein staubiger Weg, auf dem Menschen sitzen und Pferdekutschen fahren. Im Hintergrund erkennt man zweigeschossige Häuser mit traditionellen Ziegeldächern und Torbögen.
Dieses Foto von Thomson zeigt das Haus eines Pekinger Mandarins. So bezeichnete man hochrangige kaiserliche Beamte. Die Fassade des Gebäudes ist reich verziert. Auf dem Balkon posieren Kinder in traditioneller Kleidung.
In China begann Mitte des 19. Jahrhunderts das sogenannte „Jahrhundert der Demütigung“ – eine Zeit politischer und militärischer Rückschläge, territorialer Verluste und des politischen Verfalls, verursacht durch westliche Mächte wie Großbritannien, Frankreich und Russland, aber auch durch Japan. Für China war diese Zeit ein dramatischer Einschnitt, da das Land über Jahrtausende hinweg eine der führenden Weltmächte war.
Nicht nur die schrecklichen Bilder aus Kriegsgebieten, sondern auch die Folgen von Bränden, Erdbeben und Überschwemmungen konnten dank der Fotografie dokumentiert und per Zeitungsdruck in alle Welt verbreitet werden.
Dieses Bild zeigt das nahezu vollständig zerstörte Zentrum von Chicago nach dem Großen Brand im Jahr 1871, in dem ein Drittel der Stadt in Flammen aufging, 300 Menschen starben und mehr als 90.000 obdachlos los. Dank eines gut ausgebauten Netzes an Telegrafenleitungen in Chicago konnten die verheerenden Nachrichten schnell verbreitet werden und der Brand wurde so zu einem der ersten global präsenten Nachrichtenereignisse.
Dieses außergewöhnliche Foto zeigt den Kopf der Freiheitsstatue, der 1884 im Park Champs-de-Mars in Paris ausgestellt wurde, bevor er über den Atlantik nach Liberty Island verschifft wurde.
Wussten Sie’s? Die Statue wurde vollständig in Frankreich gebaut, dann in Teile zerlegt und in den USA wieder zusammengebaut. Die Franzosen präsentierten ihr Meisterwerk 1878 auf der Pariser Weltausstellung. Mit dem riesigen Spektakel wurde gefeiert, dass sich Frankreich vom verheerenden Deutsch-Französischen Krieg von 1870 bis 1871 erholt hatte.
In den 1880er-Jahren war die Fotografie bereits weit verbreitet. Und so konnte man endlich wichtige Persönlichkeiten, Orte und bahnbrechende Ereignisse der damaligen Zeit für die Nachwelt festhalten.
So wie die hier abgebildete Erfindung: das erste Automobil. Der Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 war ein dreirädriges Fahrzeug mit Verbrennungsmotor, entwickelt vom deutschen Ingenieur Carl Benz. 1886 präsentierte er seine Erfindung in Mannheim und führte sie der staunenden Öffentlichkeit auch gleich vor – mit einer Spitzengeschwindigkeit von immerhin 16 Kilometern pro Stunde. Den Namen Benz kennt zumindest in Deutschland jedes Kind, denn aus seinem Automobilunternehmen Daimler-Benz AG wurde später eine der bedeutendsten Automarken der Welt.
Das 19. Jahrhundert stand ganz im Zeichen der Industrialisierung. Riesige Fabriken produzierten massenhaft Metallwaren, Textilien und Waffen, die sowohl die wachsende Wirtschaft als auch die Kriegsmaschinerie des frühen 20. Jahrhunderts befeuern sollten.
In britischen, amerikanischen und deutschen Fabriken schufteten Arbeiterinnen und Arbeiter oft zehn bis zwölf Stunden am Tag und führten unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen monotone Tätigkeiten aus – für einen Hungerlohn. Reformen kamen leider nur im Schneckentempo. Dieses Foto zeigt Frauen, die an mechanischen Webstühlen in einer Deckenfabrik in der englischen Stadt Witney arbeiten.
Dieses Foto zeigt einen Staatsbesuch von Nikolaus Alexandrowitsch Romanow im Königreich Siam im Jahr 1891.
Nikolaus, der bald als Nikolaus II. und später als der letzte Zar Russlands bekannt werden sollte, sitzt in der vorderen Reihe an zweiter Stelle von links, geschmückt mit Orden, Medaillen und Ehrenzeichen. Er befindet sich mitten in einer großen Asienreise, die ihn auch nach Indien, Sri Lanka, Singapur, Indonesien, China und Japan führte.
Siam ist heute besser unter dem Namen Thailand bekannt und ist das einzige Land in Südostasien, das nie von Europäern kolonisiert wurde. König Chulalongkorn sitzt in der Mitte der vorderen Reihe, während Kronprinz Maha Vajirunhis ganz links zu sehen ist. Sein tragisches Schicksal ahnt hier noch niemand: Der noch jugendliche Prinz wird nur wenige Jahre später unerwartet an Typhus sterben.
Um die Jahrhundertwende war die Fotografie längst in aller Mund oder besser gesagt: in aller Hände. 1888 brachte der amerikanische Unternehmer George Eastman den Fotoapparat „Kodak No. 1“ auf den Markt – und einen legendären Werbeslogan dazu: „Sie drücken den Knopf, wir erledigen den Rest.“
Mit der „Kodak Brownie“, die er im Jahr 1900 für gerade mal einen Dollar anbot (umgerechnet heute etwa 34 Euro), machte er die Fotografie endgültig für alle erschwinglich. Auf diesem Foto von der Weltausstellung „Trans-Mississippi and International Exposition“ im Jahr 1898 sieht man eine Frau, die konzentriert durch den Sucher ihrer Kamera blickt. Wer selbst noch mit Kamera fotografiert, kennt diese spezielle Körperhaltung. Beim Fotografieren mit Smartphone sieht das natürlich ganz anders aus.
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