Es gibt wohl kaum etwas Spannenderes und zugleich Unheimlicheres als ein altes Schiffswrack – ganz gleich, ob es im Sturm auf Grund lief oder absichtlich im Meer versenkt wurde.
Auf den folgenden Bildern enthüllen wir die faszinierenden Geschichten hinter einigen der beeindruckendsten versunkenen oder gestrandeten Schiffe der Welt – auch in Deutschland gibt es ein paar besondere Exemplare.
Adaptiert von Sandra Schröpfer und Ina Hieronimus
In heißen und trockenen Sommern, wenn der Wasserstand des Rheins dramatisch absinkt, kommt das Wrack dieses alten Aalschokkers im Silbersee bei Neuss (Nordrhein-Westfalen) zum Vorschein. Das Schiff wurde ursprünglich für den Aalfang gebaut und sank in den 1990er-Jahren im Silbersee, als sein Besitzer angeblich wegen Mordes ins Gefängnis kam.
Seitdem liegt das Schiff verlassen da, nur seine Mastspitze ragt über den Wasserspiegel hinaus.
Im heißen Sommer 2003 tauchte der Aalschokker zum ersten Mal wieder vollständig aus den Fluten auf. Und mit den zunehmenden Hitzewellen in Deutschland kommt das Wrack immer häufiger ans Licht. Eingehüllt in Flussschlamm wirkt das Schiff geradezu gespenstisch.
Zwischenzeitlich gab es verschiedene Pläne, den Kahn an Land zu bringen und ihm dort ein Denkmal zu errichten. Getan hat sich allerdings noch nichts. Da das Wrack keine Gefahr für den Flussverkehr darstellt, bleibt es vorerst an Ort und Stelle.
Der 1975 erbaute Fischkutter „Dayspring“ brachte einst Makrelen und Heringe an die Küste der schottischen Highlands. Im Jahr 2000 lief er zum letzten Mal aus und war danach sicher vertaut, bis er durch einen Sturm am 8. Dezember 2011 losgerissen wurde und auf Grund lief.
Das Wrack, das wegen seiner Lage vor dem Ort Corpach auch „Corpach Wreck“ genannt wird, ist ein beliebtes Fotomotiv bei Touristen aus aller Welt. Einen spektakulären Hintergrund bildet der höchste Berg Großbritanniens, der Ben Nevis.
Auch außerhalb der Bundesrepublik gibt es einige Schiffswracks zu bestaunen.
Die griechische Halbinsel Peloponnes hat herrliche Sandstrände, idyllische Berge und türkisfarbenes Meer zu bieten. Inmitten dieser atemberaubenden Landschaft hat das alte Schiff „Dimitrios“ seine letzte Ruhestätte gefunden. Das rostige Wrack liegt in der Nähe der charmanten Hafenstadt Gytheio an der Ostküste im Sand.
Wie das Schiff dorthin kam, ist allerdings ein Rätsel. Einer Theorie zufolge wurde es für den Zigarettenschmuggel genutzt und um Beweise zu vernichten in Brand gesetzt und aufgegeben. Was auch immer die wahre Geschichte sein mag, Fakt ist, dass die „Dimitrios“ seit 1981 am Ufer liegt und seitdem langsam abdriftet.
Dieses 1959 in den Niederlanden gebaute ehemalige Ausflugsschiff liegt in der Spree im Berliner Osthafen nahe der Skulptur Molecule Man.
Es gehört Kapitän Franz Günther van de Lücht und ist nach seiner großen Liebe benannt, einer Chirurgin am Dreifaltigkeits-Hospital in Lippstadt (Nordrhein-Westfalen), die 1979 bei einem tragischen Autounfall ums Leben kam.
Seit 1996 liegt die „Dr. Ingrid Wengler“ hier verlassen. Aber nicht etwa wegen der tückischen Sandbänke in der Spree – sondern wegen der deutschen Bürokratie.
Das Schiff wurde beschlagnahmt und hier verankert, als Van de Lücht für bankrott erklärt wurde. Er verklagte das Berliner Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt, dem er angeblich Geld schuldete, aber verlor den Prozess. Mehr als 30 Jahre später liegt das Wrack immer noch in der Spree und rostet dort vor sich hin.
Das frühere Fischereischiff „Garðar BA 64“ wurde im selben Jahr gebaut, in dem die „Titanic“ auf tragische Weise unterging, 1912. Das Schiff, das ursprünglich „Globe IV“ hieß und für den Walfang eingesetzt wurde, ist heute ein faszinierender Anblick in der isländischen Wildnis.
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Das frühere deutsche Frachtschiff lief auf dem Weg zur Tafelbucht in Südafrika vermutlich wegen dichten Nebels auf Grund. Weil die Wüste immer weiter zum Atlantik vordringt, befindet sich das Wrack heute so weit vom Wasser entfernt. Touristen können das Wrack auf einer Flugzeugsafari oder bei einer geführten Jeep-Tour ab Lüderitz oder Walvis Bay erkunden.
Der Strand vom Hamburger Stadtteil Blankenese an der Elbe hat sich zu einer Art Schiffsfriedhof entwickelt. Seit 1926 liegt am Falkensteiner Ufer das Wrack der „Polstjernan“, ein alter finnischer Viermastschoner, der nach der Explosion der Maschine im Nord-Ostsee-Kanal Feuer fing.
Auch das Wrack des Lastkahns „Uwe“ ist von hier aus gut zu sehen. Das Binnenschiff sank 1975 im dichten Nebel nach einem Zusammenstoß mit dem Frachter „Wiedau“. Die „Uwe“ wurde bei der Kollision in der Mitte durchtrennt. Heute ragt das Heck noch immer aus dem Wasser heraus (siehe Bild) und ist ein beliebtes Fotomotiv.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Schutzdamm rund um das Wrack der „Polstjernan“ erweitert – hinzu kamen unter anderem die Überreste deutscher U-Boote, die besonders bei Ebbe noch gut sichtbar sind. Die Wracks sind leicht vom S-Bahnhof Blankenese zu erreichen und liegen etwa 300 Meter vom Leuchtturm entfernt am Strand.
Vorsicht: Dieser Abschnitt des Elbstrands ist nicht zum Schwimmen geeignet. Die Strömungen hier gelten als äußerst tückisch – die Kapitäne der gestrandeten Schiffe können dies nur allzu gut bestätigen.
Das Schiffswrack im Tomales Bay ist ebenfalls ein beliebtes Fotomotiv. Die besten Bilder entstehen bei Ebbe, wenn es aus dem Sand auftaucht, wie auf dieser Nachtaufnahme von Fotograf Cameron Venti. Dass die SS „Point Reyes“ so beliebt ist, ist allerdings auch ein Problem: 2016 wurde das Heck des Schiffes durch ein Feuer beschädigt und immer wieder wird es mit Graffiti beschmiert. Der Nationalpark erwägt inzwischen, das Wrack zu entfernen.
Dieses Schiffswrack liegt am Südosthörn der Othelloplate vor der ostfriesischen Insel Norderney.
Während eines heftigen Sturms im Jahr 1967 lief der Heringslogger „Ministerialrat Streil“ auf dem Weg von Glückstadt nach Emden an der Ostspitze der Insel auf Grund. Ein Rettungsschiff versuchte noch zu verhindern, dass das Schiff auf den Strand trieb, konnte aber im starken Sturm nichts ausrichten.
Das Wrack, das Sie heute am Strand von Norderney sehen können, ist allerdings nicht die „Ministerialrat Streil“. Zu sehen ist der Muschelsauger „Pionier“ (auch als „Capella“ bezeichnet). Bei seinem Versuch, das Wrack zu bergen, blieb er selbst stecken.
Ein Jahr später gelang es einem Bergungsschlepper, das erste Wrack zu befreien. Die „Capella“ steckt jedoch noch immer fest und ist heute ein beliebtes Ausflugsziel für Strandspaziergänger und Graffiti-Künstler.
Das Schiff wurde als Altmetall an eine indische Firma verkauft, lief auf dem Weg nach Mumbai jedoch auf Grund, nachdem es sich von der Schleppleine gelöst hatte. Heute zählt die „Zeila“ zu den am besten zugänglichen Wracks der Skelettküste, allerdings kann es wegen der rauen Wellen und seines schlechten Zustands nicht betreten werden. Am besten ist das verwitterte Schiff vom Strand aus zu sehen, nicht weit entfernt vom beliebten Angelplatz „Die Walle“.
Eine Mischung aus Sturm, Nebel und Schnee brachte das Schiff 90 Meter vor der Küste von South Manitou Island in Michigan allerdings zum Sinken. Die Besatzung ließ das Schiff an dem Ort zurück, an dem es sich auch heute noch befindet. Heute leben darauf zahlreiche Vogelarten. Von der Insel aus ist das Wrack gut zu erkennen, am nächsten kommt man aber mit dem Kajak heran.
Die MV „Captayannis“ war ein griechisches Zuckerschiff, das 1974 nach einem heftigen Sturm im schottischen Fluss Clyde sank. Das Schiff stieß mit einem großen Öltanker zusammen, dessen Ankerketten unterhalb der Wasserlinie ein Loch in die „Captayannis“ bohrten. Die Schäden waren irreparabel.
Das Schiff rollte auf die Backbordseite und liegt auch heute – rund 50 Jahre später – noch so da. Pläne, das Wrack zu sprengen, wurden immer wieder verworfen, weil es Umweltbedenken gab. In der Nähe befindet sich ein Vogelschutzgebiet. Und so ist die „Captayannis“ zu einem beliebten Ausflugsziel für Taucher, Fotografen – und Vögel – gleichermaßen geworden.
Das Skelett ist heute das bekannteste Wrack auf Fraser Island im australischen Queensland und Anziehungspunkt zahlreicher Rucksacktouristen, die die australische Ostküste bereisen. Zwar setzt das salzige Meerwasser dem Metall des Schiffes immer weiter zu, doch ist das verrostete Wrack einen Besuch wert. Dieses Luftbild wurde mit einer Drohne aufgenommen.
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